Atem und Befinden sind unmittelbar miteinander verknüpft. Daher bildet das bewusste Atmen die Grundlage für viele Entspannungs- und Meditationsmethoden. Die rechte Atemtechnik hilft gegen Stress, fördert Gelassenheit und Selbsterkenntnis.
Jeder kennt das: Wenn wir erschrecken, halten wir unwillkürlich den Atem an. Wir erstarren im wahrsten Sinne des Wortes – ein uralter Reflex, der uns inne halten lässt und womöglich davor bewahrt, auf die Giftschlange zu treten oder den verhängnisvollen Schritt in Richtung des sich plötzlich auftuenden Abgrundes zu machen. Wenn wir Angst haben, beginnt der Atem zu rasen – ob wir wollen oder nicht. Dadurch wird das Gehirn stärker mit Sauerstoff versorgt, die Herzfunktion und der Blutkreislauf werden angekurbelt. So können wir schnell Kräfte mobilisieren, um rasch der Gefahr zu entkommen. Fühlen wir uns unruhig oder unter Druck – etwa bei Stress im Beruf oder Konflikten mit anderen Menschen – geht der Atem ebenfalls schneller. Sind wir hingegen entspannt und zufrieden, verlangsamt sich der Atem. In besonders angenehmen Momenten, wenn wir etwas Schönes sehen, hören, schmecken, riechen, fühlen oder denken, dann atmen wir tief durch, manchmal von einem wohligen Seufzer begleitet, und können den Augenblick dann besonders intensiv genießen.
Soweit die Theorie – leichter gesagt als getan. Denn eine so ausgeprägte Atembeobachtung, etwa auch in Alltags- und Stresssituationen, ist eine hohe Kunst, die man nicht schon nach einem Wochenendseminar beherrscht. Doch sie ist mit geringem Aufwand für Menschen jeden Alters erlernbar. Dazu bedarf es vor allem an Ausdauer, Geduld, liebevoller Hingabe und einem richtigen Verständnis der Technik. Wer üben möchte, kann das jederzeit tun. Rund 23.000 Mal atmet ein Mensch am Tag. Wir brauchen weder ein spezielles Sitzkissen, noch einen schön ausgestatteten Raum. Üben können wir, wo immer wir sind – auch im Zug, im Büro oder auf der Toilette. Unser Atem ist immer dabei.
Wissen Sie, wie Sie gerade atmen? Schnell und flach? Regelmäßig oder unregelmäßig? Langsam und tief? Mehr Bauch- oder mehr Brustatmung? – Vielleicht haben Sie ja Lust, jetzt für einen Moment Ihre Augen zu schließen und langsam zwei tiefe Atemzüge zu nehmen...
Atemwahrnehmung als Schlüssel zur Emotion
Der Atem reagiert hochsensibel auf unsere Wahrnehmung der Außenwelt ebenso wie auf unsere Gedanken und Gefühle, ohne dass wir ihn dabei bewusst steuern. Im Gegenteil. Oft bemerkt er viel schneller als wir, was gerade mit uns passiert. – Deshalb kann der Atem uns helfen, uns selber besser kennen zu lernen; wenn wir achtsam sind und fleißig üben, nehmen wir im Laufe der Zeit anhand des (sich oft blitzartig verändernden) Atems unsere Gefühle immer deutlicher wahr. Und je genauer wir spüren, welche Gefühle in einer Situation auftreten, desto freier werden wir. Denn unser Handeln hört auf, ein zwanghafter Reflex auf das Geschehen der Außenwelt oder unserer Gedanken zu sein. Wir gewinnen die Freiheit zu wählen, ob wir in einer bestimmten Situation reagieren möchten. Und falls ja, wie.Im Einklang mit allem Lebendigen
Je besser wir uns selbst kennen lernen, desto mehr Verständnis können wir auch für andere Menschen entwickeln. Denn auch sie halten vor Schreck den Atem an, atmen schneller bei Angst und langsamer, wenn sie entspannt sind. So können wir stärker die Verbundenheit zu unseren Schwestern und Brüdern der Menschheitsfamilie fühlen. Auch bei Tieren, nicht nur bei unserer Lieblingskatze oder unserem eigenen Hund, lässt sich beobachten, wie Atem und Wohlbefinden zusammenhängen. Und solche Betrachtungen bereiten Freude und schaffen Nähe und Verbundenheit. Viele Menschen leiden darunter, sich isoliert oder von der Welt getrennt zu fühlen; durch Beobachtung und Übung des Atems verringern sich diese Empfindungen allmählich; mehr Verständnis und Mitgefühl für alle Lebewesen können entwickelt werden.Soweit die Theorie – leichter gesagt als getan. Denn eine so ausgeprägte Atembeobachtung, etwa auch in Alltags- und Stresssituationen, ist eine hohe Kunst, die man nicht schon nach einem Wochenendseminar beherrscht. Doch sie ist mit geringem Aufwand für Menschen jeden Alters erlernbar. Dazu bedarf es vor allem an Ausdauer, Geduld, liebevoller Hingabe und einem richtigen Verständnis der Technik. Wer üben möchte, kann das jederzeit tun. Rund 23.000 Mal atmet ein Mensch am Tag. Wir brauchen weder ein spezielles Sitzkissen, noch einen schön ausgestatteten Raum. Üben können wir, wo immer wir sind – auch im Zug, im Büro oder auf der Toilette. Unser Atem ist immer dabei.
Vielfältige Methoden und Traditionen
Den Atem für die bewusste Weiterentwicklung einzusetzen, ist keine Erfindung der Neuzeit. Und es gibt unzählige Methoden. In unterschiedlichen buddhistischen Meditationstraditionen, die teilweise 2.600 Jahre alt sind, also auf den historischen Buddha zurückgehen, wird mit dem Atem „gearbeitet“. Aber auch schon in vorbuddhistischer Zeit haben in der Region des heutigen Indien unter anderem Yogis mit verschiedenen Atemtechniken experimentiert. Heute können wir diese Meditations- und Yogatechniken vielerorts erlernen. Viele moderne Methoden zu Stressabbau und Entspannung basieren auf den alten Atemtechniken und Atem-Betrachtung. Oft auch in dem Sinne, dass der Atem unterstützend wirkt, wenn die Achtsamkeit auf eine bestimmten Körperpartien – etwa ein beim Meditieren eingeschlafenes Bein oder auf eine schmerzenden Stelle im Rücken - gelenkt werden soll. Dann kann – je nach Technik – auch zu dieser Körperstelle hin geatmet werden.Sein und geschehen lassen
Kurse und Wochenendseminare zum Themenbereich Atmen – Meditieren - Entspannen bieten Volkshochschulen ebenso an, wie christliche Klöster, Gesundheitseinrichtungen und spirituelle Zentren unterschiedlicher Couleur. So können wir in einem idyllischen Meditationsraum auf dem Kissen sitzen und stunden- und tageweise, wochen- oder gar monatelang unseren Fokus auf das bewusste Ein- und Ausatmen richten, auf das Heben und Senken der Bauchdecke oder auf das Ein- und Ausströmen des Atems an der Nase. Dieses achtsame Beobachten des Atemflusses wird beispielsweise in der Vipassana-Meditation gelehrt, die im Theravada Buddhismus unter anderem in Thailand und Sri Lanka praktiziert wird. Das Entscheidende an der Sache, das gerade uns Deutschen oft schwer fällt: sein und geschehen lassen. Nicht pushen, nichts erzwingen wollen. Der Atem wird weder absichtlich verlangsamt, noch wird er beschleunigt. Er wird einfach so, wie er ist, beobachtet. Doch gerade das ist nicht leicht. Ziel dieser Übung: Entwicklung von Achtsamkeit (sati) sowie des gleichmütigen Gewahrseins des Vergehens aller Dinge (anitya). Solche Übungen sind im Buddhismus ein wichtiger Grundstein zum Entwickeln von Gelassenheit. Diese beruhigende Technik wird häufig auch zur Einstimmung auf anspruchsvollere Meditationstechniken verwendet. Anfänger fragen sich meist, was diese Atembetrachtung bringen soll und können sich zunächst den Nutzen dieser Übungen nicht recht vorstellen. Doch manch einer fühlt sich schon nach der ersten Meditationssitzung „irgendwie beglückt“, viele freuen sich über einem entspannten, friedlichen, ruhigen Zustand.Beobachten und regulieren
Während beim Meditieren der Atem nur betrachtet, aber nicht verändert wird, spielt beim Yoga teilweise die Regulation des Atems eine Rolle. Neben den Körperübungen (Asanas) wird in einem komplexen System von Atemübungen (Pranayama) die Lebensenergie (Prana) verstärkt. Der Atem wird bewusst reguliert und vertieft. Auch das Qigong, das auf der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) beruht, arbeitet mit dem Atem. Qi heißt Atem, gong bedeutet, Fertigkeiten zu erwerben. Qigong zielt darauf ab, Atem, Geist und Körper in Harmonie zu bringen.Verschiedene Atem-Schulen
Unter den Schlagworten „Atemschule“, „Atemarbeit“ oder „Atemtherapie“ findet man zahlreiche Angebote von Einzel- und Gruppentherapien, Workshops, Seminaren und Kursen. Dabei wird mit meist zwei Ansätzen gearbeitet: zum Einen geht es um die Beobachtung des eigenen Atmens und das Erkennen des individuellen Atemmusters – also des „unbewussten Atems“ oder des „zugelassenen Atems“. Zum Zweiten wird der Atem bewusst eingesetzt. Dann ist die Rede vom „willentlichen Atem“. Das kann vertieftes Atmen sein, die Hyperventilation als Mittel zum Öffnen innerer Blockaden (Katharsis). Aber auch das Entwickeln und Üben eines neuen Atemmusters bewirkt oft erstaunliche Resultate. Denn der Atem ist die einzige Körperfunktion, die vom Willen gesteuert werden kann, obwohl sie unser ganzes Leben lang auch ohne unser Zutun abläuft.Wissen Sie, wie Sie gerade atmen? Schnell und flach? Regelmäßig oder unregelmäßig? Langsam und tief? Mehr Bauch- oder mehr Brustatmung? – Vielleicht haben Sie ja Lust, jetzt für einen Moment Ihre Augen zu schließen und langsam zwei tiefe Atemzüge zu nehmen...
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Kommentare (1)
Das Atemwochenende im Antoniushof Anfang März hat uns allen richtig ATEMLUST gemacht. Und Anette Sanladerer-Lorenz hat uns mit ihrer Familie rundum bestens betreut. Großes Lob! Beste Empfehlung für den Antoniushof!