Bösartige Tumore waren in der Antike selten
Krebs ist eine moderne Krankheit, die vor allem auf Umwelteinflüsse wie Verschmutzung, Ernährung und Lebensstil zurückgeht. Das behaupten Forscher der Universität Manchester in der Fachzeitschrift Nature. Sie durchsuchten relevante Quellen seit der Antike nach Hinweisen auf Krebs. Ihren Ergebnissen zufolge war die Krankheit früher extrem selten und stieg erst in den letzten 300 Jahren zur heute zweithäufigsten Todesursache in Industrieländern auf.
Weiterhin überprüfte Davids Team Literatur aus Ägypten und Griechenland sowie medizinische Studien über Menschen und Tiere früherer Zeiten. Selbst in tierischen Fossilien oder bei nicht-menschlichen Primaten waren Hinweise sehr spärlich gesägt. Beschreibungen von Krebs und dessen Operationen gibt es erst ab dem 17. Jahrhundert, etwa jene für Schornsteinfegerkrebs (1775), Nasenkrebs (1761) und Hodgkin-Lymphom (1832).
Heinrich Kovar, wissenschaftlicher Direktor der St. Anna Kinderkrebsforschung, will die Bedenken nicht aus der Welt räumen. "Es gab zwar auch früher alte Menschen, doch deutlich weniger, was Krebs sehr wohl auch seltener machte. Zudem dürften Mumifizierungen und Dokumentationen von Krankheiten auf eine kleine Gruppe beschränkt gewesen sein", so der Mediziner im pressetext-Interview.
Gegenüber dem Argument zu seinem Hauptfach Kinderkrebs ist der Wiener Mediziner besonders skeptisch. "Einerseits sind Tumore bei Kindern hundertmal seltener als bei Erwachsenen, weshalb der statistische Hinweis auf das Altertum wenig Aussage liefert. Zudem änderte sich ihr Vorkommen im Zeitalter der modernen Medizin kaum - im Gegensatz zu jenem bei Erwachsenen." Krebs bei Kindern geht vor allem auf Mutationen der Erbmasse zurück, wofür die spontane Mutationshäufigkeit den Ausschlag gibt. "Krebs ist bei Kindern ein Lotteriespiel, während bei Erwachsenen Umwelteinflüsse das Risiko erhöhen", so Kovar.
Meldung nach Pressetext Deutschland, 15.10.2010
Abstract zum Originalartikel
Mumien und Literatur durchstöbert
Die Studienleiterin Rosalie David, eine Ägyptologin, gewann aus ihrer Beschäftigung mit Mumien die Erkenntnis, dass Priester im alten Ägypten häufig an beschädigten Arterien litten, und suchte in hunderten Mumien aus verschiedenen Erdteilen nach Tumoren. Fündig wurde sie dabei nur selten. Der erste histologische Nachweis eines bösartigen Tumors gelang für eine Mumie aus der Zeit um 300 vor Christus.Weiterhin überprüfte Davids Team Literatur aus Ägypten und Griechenland sowie medizinische Studien über Menschen und Tiere früherer Zeiten. Selbst in tierischen Fossilien oder bei nicht-menschlichen Primaten waren Hinweise sehr spärlich gesägt. Beschreibungen von Krebs und dessen Operationen gibt es erst ab dem 17. Jahrhundert, etwa jene für Schornsteinfegerkrebs (1775), Nasenkrebs (1761) und Hodgkin-Lymphom (1832).
Lebenserwartung spielt mit
Mit der industriellen Revolution stieg die Krankheitsrate massiv an, besonders auch Krebs im Kindesalter. Das widerlegt für die Forscher den Einwand, dass Menschen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung heute häufiger Krebs bekämen. "Zudem lebten viele Ägypter und Griechen lange genug, um Arteriosklerose, Morbus Paget oder Osteoporose zu entwickeln", so David. Ihr Studien-Mitautor Michael Zimmermann wies zudem in Experimenten nach, dass Mumifizierung Tumorgewebe besser erhält als andere Gewebe.Heinrich Kovar, wissenschaftlicher Direktor der St. Anna Kinderkrebsforschung, will die Bedenken nicht aus der Welt räumen. "Es gab zwar auch früher alte Menschen, doch deutlich weniger, was Krebs sehr wohl auch seltener machte. Zudem dürften Mumifizierungen und Dokumentationen von Krankheiten auf eine kleine Gruppe beschränkt gewesen sein", so der Mediziner im pressetext-Interview.
Zigaretten und Pestizide
Dass Krebs auch in Zusammenhang zu Umwelteinflüssen steht, bestätigt auch Kovar. "Bei vielen Karzinomen erkranken Grenzgewebe zur Umwelt. Das ist etwa die Darmschleimhaut, die mit der Nahrung in Berührung kommt, die Lungenvesikel, auf die etwa Zigarettenrauch trifft, oder die Haut." Häufen sich über lange Zeiträume Mutationen an, die von diesen Einflüssen ausgelöst werden, steigt das Risiko, im Alter an Krebs zu erkranken. "Die heutige verschmutzte Stadtluft oder landwirtschaftliche Pestizide gab es früher nicht. Dennoch isst man schon lange geräuchertes Fleisch", gibt der Krebsforscher zu bedenken.Gegenüber dem Argument zu seinem Hauptfach Kinderkrebs ist der Wiener Mediziner besonders skeptisch. "Einerseits sind Tumore bei Kindern hundertmal seltener als bei Erwachsenen, weshalb der statistische Hinweis auf das Altertum wenig Aussage liefert. Zudem änderte sich ihr Vorkommen im Zeitalter der modernen Medizin kaum - im Gegensatz zu jenem bei Erwachsenen." Krebs bei Kindern geht vor allem auf Mutationen der Erbmasse zurück, wofür die spontane Mutationshäufigkeit den Ausschlag gibt. "Krebs ist bei Kindern ein Lotteriespiel, während bei Erwachsenen Umwelteinflüsse das Risiko erhöhen", so Kovar.
Meldung nach Pressetext Deutschland, 15.10.2010
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