Kneipp-Medizin
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Kneipp-Medizin

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Kurz definiert

Die Kneipp-Heilverfahren wurden von dem deutschen Pfarrer Sebastian Kneipp ab 1848 entwickelt und zählen zu den wichtigen und bekannten Naturheilverfahren der europäischen Tradition. Der bekannteste Teil der Kneipp-Medizin ist die Wasserkur, bei der eine Vielzahl unterschiedlicher Kaltwasserbehandlungen zum Einsatz kommt. Dazu gehören Güsse und Waschungen ebenso wie das berühmte Wassertreten. Vier weitere Elemente – Bewegung, Ernährung, Heilpflanzenextrakte und Lebensordnung – gehören gleichfalls zur Kneipp-Therapie, die dazu anregt, aktiv gegen Erkrankungen vorzugehen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Sie leitet den Menschen zu einem ganzheitlich gesunden Leben im Einklang mit der Natur an.

Was bedeutet der Begriff

Die Begriffe Kneipp-Medizin, Kneipp-Kur oder Kneipp-Therapie werden meist synonym verwendet und bezeichnen Heilverfahren nach ihrem Begründer Sebastian Kneipp.

Woher kommt das Verfahren?

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) arbeitete bis zu seinem 21. Lebensjahr als Weber, ehe er in Dillingen und München Theologie studierte. Als er zu Beginn seines Studiums an Tuberkulose erkrankte, entdeckte er das Buch „Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers“, das der Schweidnitzer Arzt und Wassertherapeut Johann Siegmund Hahn (1696 – 1773) im Jahr 1738 – und damit rund 100 Jahre zuvor – publiziert hatte. Kneipp testete die darin dargestellten Methoden der WASSERTHERAPIE an sich selbst, erlangte seine Gesundheit zurück und begann dann, auch seine Kommilitonen zu therapieren.

1855 kam Sebastian Kneipp als 34-jähriger Kaplan nach Wörishofen, wo er zahlreiche Menschen nach seinen heilkundlichen Ideen behandelte. Trotz der Kritik zeitgenössischer Mediziner, die ihm Kur-Pfuscherei vorwarfen, entwickelte er sein Konzept weiter und setzte es durch. Aus dem Örtchen Wörishofen wurde der weithin bekannte und erfolgreiche Kurort Bad Wörishofen. 1880 wurde hier eine Kneipp'sche Badeanstalt errichtet; als Stiftungen Kneipps folgten 1891 das Kurhaus Sebastianeum, 1892 eine Kinderheilstätte und 1896 das Kneipp- und Naturheilzentrum Kneippianum.

Bereits im Jahr 1890 war der Stamm-Kneipp-Verein gegründet worden, der sich fortan der Vermittlung der Kneippschen Gesundheitslehre widmete. Dieser ging 1897 in den Kneipp-Bund über, der die Kneipp-Medizin seither unter fortlaufender Einbeziehung neuester medizinischer Erkenntnisse weiterentwickelt und repräsentiert.

Was passiert bei einer Kneipp-Kur?

Das naturheilkundliche Konzept nach Pfarrer Kneipp zielt darauf ab, den ganzen Menschen mit Körper, Geist und Seele in eine harmonische Balance zu bringen. Eine Kneipp-Kur besteht aus fünf Elementen: Wassertherapie, Pflanzenheilkunde, Programme für gesundheitsförderliche Bewegung und Ernährung sowie Ordnungstherapie, also Leitlinien für gesunde Lebensführung.  Die Dauer einer Kur liegt üblicherweise bei 3 bis 4 Wochen und beginnt mit einer umfassenden Anamnese durch den behandelnden Arzt. Im Anschluss daran werden Ablauf und Zusammensetzung der Kur genau auf die Bedürfnisse des einzelnen abgestimmt.

Wie wirkt die Kneipp-Kur?

Mit den unterschiedlichen Methoden der Kneipp-Kur, also beispielsweise durch milde Güsse mit kaltem Wasser, lassen sich natürliche Reize im Körper auslösen, die therapeutisch wirken. Dieses Wirkprinzip der „Reizreaktion“ liegt den therapeutischen Ideen Kneipps zugrunde. Nach diesem Prinzip wird im Lauf der Kur ein Training zur Harmonisierung aller körperlichen und geistig-seelischen Funktionen vorgenommen, das neben der Behandlung vorhandener Leiden insbesondere der Vorbeugung und aktiven Gesundheitspflege dient.
Während einer Kneipp-Kur werden insbesondere die Selbstheilungskräfte wachgerufen. Die Widerstandsfähigkeit nimmt zu, man gewinnt Kraft und inneres Gleichgewicht. So kann man den Herausforderungen des Lebens souveräner zu begegnen, also beispielsweise Stress leichter bewältigen, gesundheitliche Probleme besser meistern und insgesamt zu innerer Harmonie zu finden.

Welche Methoden gehören zur Kneipp-Kur?

Die ganzheitliche Therapie nach Pfarrer Kneipp baut auf fünf Elementen auf:

Wassertherapie: In diesem Bereich wird mit milden Kaltwasserbehandlungen gearbeitet. Das Spektrum beginnt bei Waschungen, Teil- und Ganzbädern und reicht bis zu Güssen unterschiedlichster Art, Packungen, Dampfstrahlanwendungen und Wassertreten. Dabei wird einige Minuten lang in ca. knietiefem, kaltem, fließendem Wasser auf- und abgegangen.

Heilkräutertherapie: Während einer Kneipp-Kur können unterschiedlichste Heilpflanzen-Präparate zum Einsatz kommen. Sie werden in Form von Tees, Salben, Badezusätzen, Dragees, Tabletten etc. verwendet; z. B. als Abführmittel, als Einschlafhilfe und als sanftes Mittel der Entschlackung. Bei sämtlichen Präparaten handelt es sich um reine Naturmedizin.

Bewegung: Zur Kur gehört auch ein umfangreiches Bewegungsprogramm -- am besten in freier Natur mit viel Licht und Luft. So empfahl Pfarrer Kneipp beispielsweise das Tautreten: Morgens im noch frischen und kühlen Tau barfuß über Wiesen laufen, wirkt auf Füße und Beine, den Kreislauf und die Gesamtkonstitution sowie die Psyche.

Ernährung: Zur Kneipp-Kur gehört auch ein spezielles Programm mit bewusster Ernährung und Diätetik. Dabei steht vielseitige Vollwertkost im Mittelpunkt.

Lebensordnung: Kneipps Anleitungen für eine verantwortungsvolle und gesundheitsbewusste Lebensführung lauten: nicht zu viele Reize; Genussgifte und Risikofaktoren vermeiden; auf das seelische Gleichgewicht achten; Licht, Luft und Wasser sinnvoll nutzen; ausgewogene Phasen von Bewegung und Ruhe, von Wachen und Schlafen einhalten; Speise und Trank maßvoll genießen; für eine gute Regulation des Stoffwechsels sorgen. Sie werden in einer Kur beispielhaft umgesetzt und können so eine Grundlage für positive Gewohnheiten auch im Alltag schaffen.

Was zeichnet das Verfahren aus?

Bei der Kneipp-Therapie handelt es sich um einen ganzheitlichen Ansatz, der den Menschen körperlich wie psychisch stärken und in seiner Gesundheitspflege unterstützen will. Die Methoden der Kneipp-Therapie sind rein naturheilkundlich und können die Schulmedizin wirksam ergänzen (vgl. Komplementärmedizin).

Die gesundheitlichen Regeln Kneipps sind einfach; sich an ihnen zu orientieren erfordert weder viel Zeit noch einen hohen Kostenaufwand.

Ideal für Selbstanwendung

Einige Methoden der Kneipp-Kur lassen sich gut und problemlos selbst anwenden. Wenn man eine komplette Kur mit perfekter Abstimmung auf die aktuellen konditionellen und gesundheitlichen Belange machen möchte, ist es jedoch empfehlenswert, sich dafür in eine der offiziell anerkannten Kneipp-Kliniken zu begeben.

Für wen eignet sich die Kneipp-Kur und bei welchen Beschwerden?

Eine mehrwöchige Kneipp-Kur in einem darauf spezialisierten Therapiezentrum kann neben dem gewünschten Abhärtungs- und Prophylaxe-Effekt bei einer Vielzahl manifester Leiden Erleichterung bringen, so z.B. bei Kopfschmerzen und Migräne, Tinnitus und Hörsturzerkrankungen, psychosomatischen Erkrankungen wie Schlafstörungen, Burnout-Syndrom und Erschöpfungserkrankungen. Auch für Menschen mit chronischen Schmerzzuständen (Rücken, Gelenke etc.), Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen oder stressbedingten Leiden wie Reizdarm und chronischer Gastritis kann eine Kur Besserung bringen. Weitere Indikationen sind Diabetes, Hyperlipidämie (= erhöhter Cholesterinspiegel), Obstipation (= chronische Verstopfung), Übergewicht, Nikotinsucht, Schlafstörungen oder orthopädische Erkrankungen.

Wann darf eine Kneipp-Kur nicht angewendet werden?

Da es sich bei der Kneipp-Medizin durchgehend um schonende Naturmedizin handelt, gibt es so gut wie keine Gegenanzeigen. Lediglich Menschen, die ohne besondere Klinikbehandlung nicht auskommen können oder eine Isolierbehandlung benötigen, können nicht nach Kneipp therapiert werden. Das gilt auch für Erkrankte, bei denen mit den Kneippschen Methoden keine körpereigenen Ausgleiche mehr ausgelöst werden können.

Qualifizierten Therapeuten finden

Kurkliniken mit Spezialisierung auf die Therapie gibt es in reicher Zahl, daneben auch regionale Initiativen, Kindergärten etc. Der Dachverband der Kneippvereine www.kneippbund.de vergibt ein Kneipp-Siegel an entsprechende Einrichtungen.

Weiterführende Literatur

  • Hildegard Kreiter, Helene Roschatt: Kursbuch Kneipp. Der moderne Familienratgeber für Wasseranwendungen, Ernährung und Bewegung, Kräuterheilkunde und Lebenshilfe. Mit Hausmittelapotheke und Beschwerdelexikon, Kneipp-Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3708804781

     
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