Fasten
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Fasten

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Kurz definiert

Fasten bezeichnet die bewusste Einschränkung bzw. den Verzicht auf die Aufnahme von Nahrung und nährenden Getränken. Im religiös-spirituellen Kontext diente das Fasten zu allen Zeiten als Mittel der Reinigung, der Askese oder der Buße. Fasten kann auch Ausdruck von Selbstverleugnung und Trauer sein bzw. als als Mittel zur geistigen Konzentration oder des politischen Protests praktiziert werden. Fasten kann sowohl präventiv als auch im Krankheitsfall positiv auf die Gesundheit wirken; dann bezeichnet man es auch als Heilfasten. Eine Fastenkur kann die nachhaltige Veränderung von Ernährungs- oder Lebensgewohnheiten erleichtern.

Was bedeutet der Begriff

Unser moderner Begriff „Fasten“ geht auf das althochdeutsche Wort „faston = fest“ zurück. Dabei ist „fest“ im Sinne von „festhalten“ aufzufassen, dem Festhalten an den verbindlich vorgeschriebenen Fastengeboten.

Woher kommt das Verfahren?

Bereits seit Urzeiten fasten Menschen aus religiösen oder anderen Motiven. Dabei war und ist speziell das religiöse Fasten an kulturell fundierte, genau festgelegte Zeiten, Regeln und Speiseverbote gebunden. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Im Islam gilt der 9. Monat im Jahr als Fastenmonat Ramadan. Im katholischen Glauben wird die Zeit von Aschermittwoch bis zum Osterfest als Fastenzeit und damit als eine Phase der Buße zur Vorbereitung auf Ostern aufgefasst. Dabei sind Fleisch und Wurst – insbesondere an den strengen Abstinenztagen Aschermittwoch und Karfreitag – verboten.

Schon die großen Heilkundigen des Mittelalters und der frühen Neuzeit wie Hildegard von Bingen und Paracelsus wussten um die positive Wirkung des Fastens auf die Gesundheit. Im 19. Jahrhundert bezogen Therapeuten und Gesundheitslehrer das auf die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden ausgerichtete Heilfasten zunehmend in ihre Kuren und Behandlungen mit ein. So maß ihm beispielsweise der berühmte Wassertherapeut und Naturheilkundler Pfarrer Kneipp (Kneipp-Medizin) eine große Bedeutung zu. Im Lauf des 20. Jahrhunderts entstanden, ärztlich begleitet, verschiedene Formen der Fastenkur mit gemeinsamen Grundprinzipien: Sie setzen eine sorgfältige medizinische Untersuchung voraus, steigen mit einer mehrtägigen Phase der Vorbereitung und einer gezielten Darmentleerung in die Kur ein und schreiben während der Kur eine tägliche Flüssigkeitsaufnahme von 2 bis 3 Litern vor. Im Rahmen zeitgemäßer Therapien kann man den Flüssigkeitsbedarf je nach der gewählten Kur mit Wasser, Tee, Obstsaft, Gemüsesaft, Gemüsebrühe, Schleim oder Molke decken.

Was passiert beim Fasten?

Unabhängig davon, welche Form des Heilfastens man für sich wählt: Fasten heißt immer, freiwillig und für einen definierten Zeitraum auf bestimmte Nahrung oder Nahrungsanteile zu verzichten. Angeregt durch diesen Verzicht schaltet der Körper gleichsam in eine andere „Betriebsart“ um. Er ist gezwungen, sich für die Zeit des Heilfastens aus den vorhandenen, körpereigenen Nahrungsdepots zu versorgen. Diese Anpassung an den Nährstoffmangel wird auch als Hungeradaption bezeichnet. So fährt unser Körper beispielsweise bereits nach kurzer Zeit die Produktion von Magensaft herunter, da es ja keine normalen Nahrungsmengen zu verdauen gibt. Als Folge davon lässt das Hungergefühl nach und kann nach einigen Tagen ganz verschwinden.

Mit dem Prozess des Heilfastens ist eine Entlastung des Körpers verbunden, da dieser sich nun nicht der anstrengenden Verdauungsarbeit widmen muss. Auf diese Weise können seine Selbstheilungskräfte aktiviert und gestärkt werden. Da das Durchhalten einer solchen Kur eine große Herausforderung an den Willen und die Selbstdisziplin darstellt, sind damit häufig auch Erfahrungen auf geistiger Ebene verbunden. So kann eine durchgehaltene Heilfastenkur durchaus auch zu neuer psychischer Stabilität führen, verbunden mit einem Erlebnis innerer Ordnung und einem auch körperlich sehr positiven Gefühl von Reinigung und Sauberkeit.
 
Zu den wichtigsten Maßnahmen einer Heilfastenkur zählen:
  • Der unbedingte Verzicht auf Genussmittel wie Kaffee, Nikotin, Alkohol, Süßigkeiten, Salzgebäck, Appetitzügler, Nahrungsergänzungsmittel und alle nicht unbedingt notwendigen Medikamente.
  • Die Aktivierung und Unterstützung aller körperlichen Ausscheidungsprozesse.
  • Das Hören nach Innen und die Ausrichtung an dem, was der Körper verlangt, also beispielsweise Ruhe, Bewegung etc.
  • Der vorübergehende Rückzug aus Routine und Alltag: Im Idealfall kombiniert man seine Heilfastenkur mit einer Auszeit fernab täglicher Zwänge, Regeln und Pflichten.
Besonderes Augenmerk verlangt auch das Ende der Heilfastenkur. Man sollte sie nach der geplanten Zeit nicht einfach abbrechen und schnellstmöglich wieder auf normale Ernährung schalten, sondern zur Beendigung der Kur eine entsprechende Zahl von Aufbautagen einzuhalten. Die Zahl der Aufbautage sollte dabei ungefähr einem Drittel der vorherigen Fastentage entsprechen.

Wie wirkt das Fasten?

Das Wirkprinzip des Heilfastens ist einfach und logisch: Wird dem Körper ein Großteil oder die gesamte gewohnte Nahrung entzogen, bezieht er seine Ernährung aus körpereigenen Nahrungsdepots. Dabei hält er sich zunächst an die vorhandenen Kohlenhydratreserven und deckt damit seine Energieversorgung. Sind diese verbraucht, was in der Regel schnell geschieht, kommen die Fettreserven an die Reihe. Gleichzeitig greift der Körper auch auf Eiweißeinlagerungen im Bindegewebe zu, um aus ihnen Energie zu erzeugen.

Generell ist diese Form der körpereigenen Energiegewinnung mit wesentlich geringerem Kraftaufwand verbunden als der Energiegewinn aus der über Mund und Magen aufgenommenen Nahrung. Damit kann unser Körper während des Heilfastens viel Kraft einsparen, was wiederum der Aktivierung seiner Selbstheilungskräfte zugute kommt. Vor allem nutzt der Körper diese Phase der Entlastung nämlich dafür, alle inneren Organe, darunter insbesondere auch das Gehirn, gründlich zu reinigen. So können Prozesse wie Darmsanierung und Entgiftung bzw. Entsäuerung des Körpers durch Heilfasten angeregt und nachhaltig unterstützt werden.

Über Veränderungen im Hormonhaushalt, die sich während einer Heilfastenkur ebenfalls einstellen, kann es auch zu neuen emotionalen und geistigen Erfahrungen kommen. Zeitspannen mit ausgeprägtem Ruhebedürfnis, aber auch mit Euphorie und Glücksgefühl sind ebenso möglich wie Phasen geschärfter Wahrnehmung, hoher geistiger Konzentration und gebündelter Kreativität.

Durch die Entwässerung und den Abbau von Nahrungsdepots im Körper kann eine Heilfastenkur gerade am Anfang zu einer schnellen Gewichtsabnahme führen. Diese pendelt sich dann auf einem niedrigeren Niveau ein. Typisch für Heilfastenkuren sind außerdem ein unangenehm klebriger Belag auf der Zunge und Mundgeruch. Dies sind jedoch nur Zeichen für die inneren Reinigungsprozesse. Normale Mundhygiene und ein paar zerkaute Dillsamen oder frische Basilikumblätter schaffen Erleichterung. Da auch die Haut an den Ausscheidungsvorgängen während einer Heilfastenkur wesentlich beteiligt ist, sollte man ihrer Reinigung und Pflege besondere Aufmerksamkeit widmen.

Eine wichtige Information: Alte und latent vorhandene gesundheitliche Beschwerden können während einer Heilfastenkur (erneut) auftreten. Nachdem die betreffenden Organe durch die Kur gereinigt sind, werden sie jedoch in aller Regel wieder zurückgehen.

Welche Verfahrensweisen gibt es?

Abgestimmte Kuren und spezielle Konzepte für das Heilfasten gibt es in breiter Vielfalt. Zu den bekanntesten zählen die folgenden Therapieformen:

Heilfasten nach Dr. Otto Buchinger
Bei dieser Therapieform handelt es sich um eine den individuellen Bedürfnissen des Fastenden angepasste niederkalorische Trinkdiät. Über Säfte und Brühen werden dem Körper täglich etwa 250 Kcal zugeführt. Vitamine, Spurenelemente und Mineralien, die für das Funktionieren des Stoffwechsels wichtig sind, werden in ausreichender Menge aufgenommen. Bei Bedarf wird z. B. durch Milchprodukte ergänzt. Lernprozesse des Fastenden hin zu einer gesunden Lebensführung unter Beachtung einer verantwortungsvollen Lebensdiätetik sind eingeschlossen. Bewegung und abgestimmte Wellness-Behandlungen runden die Buchinger-Kur ab.

Heilfasten nach Dr. Ruediger Dahlke
Das Konzept dieses namhaften Therapeuten und Fastenexperten reicht über die körperlichen Prozesse weit hinaus. In seiner spezifischen Sichtweise kann das Heilfasten viel mehr bringen als nur die Reinigung und Entschlackung des Körpers. Mit der richtigen inneren Einstellung und unter qualifizierter Anleitung kann Heilfasten kann wie ein Jungbrunnen auf Geist und Seele wirken. Dabei steht die Psyche im Fokus. Der Fastende wird mit Hilfe zahlreicher Ratschläge, Empfehlungen, Tipps und Meditationsübungen zu einer bewussteren Lebensführung angeleitet.

Heilfasten nach F.X. Mayr
Eine F.X. Mayr-Kur dient dazu, den Darm zu entlasten, zu stärken und seine natürliche Funktionskraft vollständig wiederherzustellen. Die Kur beginnt mit einer Phase der Schonung, also der Entlastung und Regeneration der Verdauung. Dabei wird kaum feste Nahrung eingenommen. Tees, Milch, Leitungs- und Mineralwasser sind die Komponenten einer reichlichen Flüssigkeitsversorgung. Entschlackung und Entsäuerung des Verdauungstrakts schließen sich an. Die Versorgung mit Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen wird mit Hilfe entsprechender Präparate sichergestellt.

Heilfasten nach Johann Schroth
Bei dieser Anfang des 19. Jahrhunderts von dem Fuhrmann Johann Schroth entwickelten Therapie handelt es sich um eine Heilfastenkur mit mehreren ergänzenden Maßnahmen. Eine Schrothkur setzt auf vier Grundpfeilern auf: natürliche Reize in Form von Ernährung und Nahrungsenthaltung; abwechselnde Trink- und Trockentage; Wärme und Kälte als stimulierende Reize für den Körper; Bewegung, Ruhe, Licht und Luft als weitere natürliche Stimulantien. Mit Hilfe dieser Impulse im therapeutischen Wechsel sollen die körpereigenen Ordnungs- und Heilkräfte aktiviert werden.

Heilfasten-Sonderform: das Basenfasten
Wie der Name sagt, zielt das Basenfasten darauf, alle säurebildenden Nahrungsmittel für eine bestimmte Zeit vom Speiseplan zu verbannen und dem Körper damit bei dem wichtigen Prozess der Entsäuerung zu helfen. Die Dauer einer Kur liegt zwischen einer und drei Wochen. Während des Basenfastens dürfen drei Mahlzeiten am Tag eingenommen werden, die aus basischen Bestandteilen wie z. B. Kartoffeln, Rohkost-Gemüse, Tofu, Sprossen und dunklen Blattsalaten bestehen. Basische Snacks als Zwischenmahlzeiten sind erlaubt. Zusätzlich werden Quellwasser und verdünnte Kräutertees in einer Menge von 2,5 bis 3 Litern pro Tag aufgenommen.

Was zeichnet das Heilfasten aus?

Heilfasten nach einem der bewährten Konzepte ist ein ausgezeichneter Beitrag zur aktiven Gesunderhaltung und Vorbeugung von (häufig ernährungsbedingten) Zivilisationskrankheiten. Wiewohl eine Heilfastenkur für gesunde und leistungsfähige Menschen auch in Eigenregie durchführbar ist, hat eine betreute und begleitete Kur Vorteile – insbesondere für Fasten-Unerfahrene: Der Abstand vom Alltag und professionelle Begleitung erleichtern den Prozess und begünstigen die Erfahrung auch der seelischen Dimensionen des Fastens .Auf jeden Fall ist es ratsam, sich vorab ausführlich mit dem Hausarzt oder Heilpraktiker bzw. Naturtherapeuten zu besprechen.

Für wen eignet sich Heilfasten und bei welchen Beschwerden?

Die eingehende Beratung und Begleitung durch einen qualifizierten Therapeuten vorausgesetzt, kommt eine Heilfastenkur für die meisten Menschen in Frage. Insbesondere bei Befindlichkeitsstörungen wirkt sie positiv. Die Fastenkur kann zu einem gesteigerten Wohlbefinden verhelfen und ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten vorbeugen. Regelmäßiges Heilfasten verspricht auch bei chronischen Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck, erhöhtem Cholesterin/Blutfettspiegel, Diabetes, Magen- und Darmbeschwerden sowie bei Krampfadern Erfolg. Weitere Indikationen sind: Entzündungen von Leber und Gallenblase, Immunschwäche, Migräne, Allergien, Asthma, Rheuma, Gicht, Probleme an Gelenken, Füßen und Bandscheiben, psychovegetative Beschwerden und Übergewicht.

Wann darf man nicht fasten?

Grundsätzlich nicht geeignet ist das Heilfasten für Schwangere bzw. Mütter während der Stillzeit. Auch Menschen mit Magengeschwüren, Krebs, akuten Knochenbrüchen/Operationen und zunehmendem körperlichem Verfall sollten darauf verzichten. Falls täglich ärztlich verordnete Medikamente eingenommen werden müssen, sollte der Arzt entscheiden, ob eine Heilfastenkur möglich und erfolgversprechend ist.

Qualifizierten Therapeuten finden

Im Vorfeld und während einer Heilfastenkur sollte man sich von einem qualifizierten Therapeuten beraten und begleiten lassen. Empfehlenswert ist insbesondere die Durchführung einer Kur stationär in einer darauf spezialisierten Einrichtung. Sanatorien und Gesundheitskliniken, die Heilfastenkuren anbieten, liegen zumeist inmitten herrlicher Natur und bieten damit auch den dringend notwendigen Abstand zum Alltag. Therapeuten und die passenden institutionellen Anbieter lassen sich im Yilangi Anbieterverzeichnis finden.

Weiterführende Literatur

  • Ulrike Borovnyak, Eduard Pesina: Fasten: Auszeit für Körper, Geist und Seele, Gräfe & Unzer Verlag 2009, ISBN 978-3833814198
    Christian Kuhn: Heilfasten: Heilsame Erfahrung für Körper, Seele und Geist, Books on Demand 2008, ISBN 978-3833489112
    Ruediger Dahlke: Fasten Sie sich gesund: das ganzheitliche Fastenprogramm, Irisiana Verlag 2004, ISBN 978-3720524933
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