Wenn Sonne die Haut streichelt
Alex Bramwell - Fotolia.com
 
Wärmende Strahlen – Genuss und Gefahr

Sonne auf der Haut zu spüren, ist ein Genuss. Doch die UV-Strahlung kann Haut und Augen nachhaltig schädigen. Welche Methoden gibt es, sich zu schützen?
Wärmende Strahlen im Straßencafé, Sonnenbäder im Liegestuhl im Garten, an einem See oder am Strand – das lieben die meisten Menschen. Denn maßvoll genossener Sonnenschein gleicht einem natürlichen Heilmittel. Sonne wirkt entspannend und depressionslösend, unterstützt die Selbstheilung der Haut. Viele empfinden eine (leicht) gebräunte Haut als attraktiv. Zehn bis 15 Minuten Sonnengenuss regen die Vitamin D3-Produktion des Körpers an, die wichtig ist für die Stabilität der Knochen. Sind Hände, Gesicht und Arme der Sonne ausgesetzt, was etwa ein Fünftel der Hautoberfläche ausmacht, kann die Haut mit Hilfe der UV-Wellen 90 Prozent ihres Vitamin D-Bedarfs herstellen. In den Wintermonaten sollte eine Vitamin D3-reiche Nahrung gegessen werden wie etwa fettige Fischsorten, um das Sonnendefizit auszugleichen.

Doch beim Sonnen und bei Besuchen im Solarium ist andererseits auch Vorsicht geboten: UV-Strahlung kann die Haut und die Augen langfristig schädigen. Die Strahlung lässt die Haut schneller altern. Es entstehen vorzeitig tiefe Falten und Pigmentflecken. Neben akuten Schäden wie Sonnenbrand oder Bindehautentzündung kann eine hohe UV-Belastung langfristig das Risiko steigern, an Hautkrebs zu erkranken oder eine Trübung der Augenlinse zu bekommen. Vor allem hohe UV-Belastungen und Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend erhöhen erheblich das Risiko, im Laufe des späteren Lebens an Hautkrebs zu erkranken, warnt das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter. Daher sollten Kinder und Jugendliche, deren Haut besonders empfindlich gegenüber UV-Strahlung ist, stets gut vor UV-Belastung geschützt werden. Jährlich erkranken in Deutschland rund 140.000 Menschen an Hautkrebs. An den Folgen sterben jedes Jahr 2.000 bis 3.000 Menschen. Dabei birgt gerade die Anwendung von Sonnencreme eine Gefahr: Der Sonnenbadende wiegt sich in Sicherheit, und glaubt, er könne sich unbegrenzt in der prallen Sonne aufhalten. Doch jede UV-Belastung, auch ohne Sonnenbrand, erhöht das Hautkrebsrisiko. Denn die Haut vergisst bekanntlich nichts.

Die besten Mittel gegen Hautkrebs

Die Südeuropäer machen es vor: Sie verlegen in den Sommermonaten ihre Aktivitäten im Freien vor allem auf den Vormittag und den späten Nachmittag. So lange die Sonne erbarmungslos herunterbrennt, wird Siesta gehalten. Auch in unseren Breiten sollte man Aufenthalte in der Mittagssonne meiden – nicht nur Kinder und Menschen mit empfindlicher Haut. Am besten ist es, zwischen elf und drei Uhr drinnen zu bleiben.

Kleidung als Sonnenschutz

Als bester Sonnenschutz gilt neben dem Aufenthalt im Schatten eine geeignete Kleidung, wie Hosen und Röcke, die bis zu den Knien reichen. Leichte, transparente Stoffe lassen allerdings häufig noch erhebliche Anteile an UV-Strahlung durch. Empfehlenswert ist Kleidung mit dem UV-Standard 801 der Internationalen Prüfgemeinschaft für angewandten UV-Schutz in Bönnigheim. Der so genannte UPF berücksichtigt die verschiedenen Tragebedingungen von Kleidung - wie etwa trocken, nass, unter Spannung oder gewaschen. Ratsam ist zudem, Schuhe zu tragen sowie eine Kopfbedeckung mit breiter Krempe oder Schirm,  eventuell auch einen Nackenschutz. Wer unter einer Markise oder einem Sonnenschirm sitzt, bekommt noch 50 Prozent der Strahlung ab, so dass auch im Schatten ein Sonnenschutz (Kleidung, Sonnenbrille, Sonnencreme) wichtig ist. Nicht nur Sand, Schnee und Wasser reflektieren UV-A- und UV-B-Strahlen, sondern auch Beton und Asphalt.

Eigenschutzzeit der Haut

Wie lange sich ein Mensch ohne Gesundheitsgefährdung in der Sonne aufhalten kann, hängt vom Hauttyp ab: Menschen mit auffallend heller Haut zählen zum Hauttyp eins und verfügen nur über eine maximal zehnminütige Eigenschutzzeit der Haut. Werden Textilien mit UPF 20 getragen, verlängert sich diese Schutzdauer auf 100 bis 200 Minuten. Wer etwas dunklere Haut besitzt sowie blaue, graue oder grüne Augen, gehört zum Hauttyp zwei mit einer Eigenschutzzeit von zehn bis 20 Minuten. Die Schutzdauer mit Textilien mit UPF 20 beträgt 200 bis 400 Minuten. Menschen mit hellbrauner Haut, die graue oder braune Augen haben und gut bräunen,haben den Hauttyp drei mit bis zu 30-minütiger Eigenschutzzeit. Die Schutzdauer mit Textilien mit UPF 20 beträgt 400 bis 600 Minuten. Wer braune Haut und dunkle Augen hat, schnell und tief braun wird, kaum Sonnenbrand bekommt, gehört zum Hauttyp vier und hat eine Eigenschutzzeit von etwa 45 Minuten. Die Schutzdauer mit Textilien mit UPF 20 beträgt rund 900 Minuten. Besonders großen Eigenschutz der Haut haben Menschen mit dunkelbrauner und schwarzer Haut, die den Hauttyp fünf besitzen, eine bis eineinhalb Stunden Eigenschutzzeit haben und mit Textilien (UPF 20) den ganzen Tag geschützt sind.

Mit Sonnencreme schützen

Um die Haut vor Sonnenbrand mit Hautrötung, Blasenbildung  und Verbrennungsschmerz zu schützen – etwa die von Kleidung unbedeckten Stellen - , stehen zahlreiche Sonnencremes zur Auswahl. Die synthetischen Mittel sollten mindestens eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad aufgetragen werden, und zwar großzügig. Für den ganzen Körper etwa 30 bis 40 Milliliter. Mehrmaliges Nachcremen, auch nach dem Baden, ist wichtig. Beim Eincremen an die Ohren denken, den Nacken, das Dekolletee und die Fußrücken. Wasserfeste Produkte empfehlen sich beim Schwimmen, erkennbar sind sie am „Wasserfest“-Zeichen auf der Verpackung. Die meisten Sonnenschutzmittel sind flüssige Emulsionen, also Milch oder Lotion. In den vergangenen Jahren haben Pump-Sprays an Beliebtheit gewonnen. Diese Sprays funktionieren ohne Treibgas und bestehen meist aus dünnflüssigen Emulsionen. Die Bezeichnung Sunblocker wird nicht mehr verwendet, da der Benutzer fälschlicherweise glauben könnte, der Sunblocker schütze die Haut perfekt.

Schutz vor UV-A- und UV-B-Strahlen

Wichtigstes Kriterium bei der Auswahl eines Sonnenschutzmittels ist der Lichtschutzfaktor (LSF), auf englisch Sun Protection Factor (SPF). Je höher die Ziffer, desto größer der Schutzfaktor gegen Hautrötung. Er sollte nach Ansicht der Bundesanstalt  für Strahlenschutz mindestens 20 betragen. Für Klein- und Kindergartenkinder wird ein LSF von 30 empfohlen. Kinder, die jünger als ein Jahr sind, sollten überhaupt nicht in die Sonne. Der Lichtschutzfaktor gibt allerdings nur Auskunft über die Schutzwirkung des Mittels gegen die erythemwirksame Strahlung, also gegenüber der UV-B-Strahlung. Diese energiereichen, kurzwelligen Strahlen gelten als Hauptauslöser von Hautkrebs sowie von Reizungen der Bindehaut.  Um die Haut aber auch gegen die lichtbedingten Hautschäden zu schützen, benötigt das Mittel auch einen UV-A-Schutzfaktor, abgekürzt UV-A-PF. Diese langwelligen UV-A-Strahlen sorgen für eine rasche Bräunung der Haut, die aber nur kurz anhält; sie gelten als Auslöser einer frühzeitigen Hautalterung.

Eine Empfehlung der EU-Kommission besagt seit Juni 2009, dass der UV-A-PF von Sonnenschutzmitteln mindestens ein Drittel des Lichtschutzfaktors betragen sollte. So sollte eine Sonnencreme mit LSF 30 einen UV-A-PF von mindestens 10 haben. Diese Empfehlung hat Auswirkungen: „Mit chemischen Lichtschutzfaktoren kann das geforderte 1:3-Verhältnis problemlos erreicht werden. Ein Einsatz chemischer Lichtschutzfaktoren kommt für die Wala allerdings nicht in Frage“, heißt es bei dem Naturkosmetikanbieter Wala Heilmittel in Bad Boll, der im Juni 2009 die Produktion der Dr. Hauschka Sonnenschutzpräparate eingestellt hat. So wie einige andere Hersteller von Naturkosmetik, die ihre Sonnencremes aus dem Sortiment genommen haben.

Synthetische und biologische Sonnencremes

Herkömmliche Sonnenschutzprodukte bieten einen chemischen Filter, der die UV-Strahlung in Wärmeenergie umwandelt und über die Haut ableitet. Da sich die Moleküle der synthetischen Sonnencreme mit dem Hautfett verbinden müssen, wirken diese Mittel erst nach etwa einer halben Stunde. Einige synthetische Sonnenschutzmittel enthalten gesundheitsschädliche chemische Substanzen und können zudem Allergien auslösen. Im Gegensatz zu den synthetischen Sonnenschutzmitteln arbeiten biologische Sonnenschutzmittel mit mineralischem Lichtschutz. Dieses Prinzip wird beispielsweise bei den Sonnenschutzmitteln der Firma Lavera in Wennigsen angewandt: Mineralien wie Zinkoxid und Titandioxid in der Sonnencreme reflektieren UV-A, UV-B und UV-C-Strahlen wie ein Spiegel das Licht und dienen so als Sonnenschutz. Die UV-C-Strahlen sind kurzwellige Strahlen und äußerst aggressiv, werden allerdings größtenteils von der Ozonschicht abgefangen. Die Mineralien befinden sich in Form winziger Partikel in den Mitteln, so genannte Nanopartikel, die kleiner als 100 Nanometer sind.

Biologische Sonnenschutzmittel wie die der Firma Lavera bieten einen LSF von 20, ebenso die Mittel von der dm-Eigenmarke Alverde und der Produktserie Sante. Die beiden letzteren  wurden vor kurzem von Öko-Test mit der Note „sehr gut“ ausgezeichnet. Weitere Vorteile: Diese Produkte wirken sofort und müssen nicht einige Zeit vor dem Sonnenbad aufgetragen werden. Je nach Hersteller enthalten die Sonnencremes  Bio-Öle aus Sonnenblumen, Mandeln, Oliven oder Sheabutter. Biologisches Aloe-Vera Gel und Jojobaöl spendet Feuchtigkeit, Süßholzwurzel und Sanddorn beruhigt die Haut. Die Bio-Produkte sind frei von synthetischen Konservierungs-, Duft- und Farbstoffen sowie frei von Erdölprodukten. Je nach Hersteller sind sie mit Prüfsiegeln versehen wie etwa dem BDIH-Prüfzeichen für „Kontrollierte Naturkosmetik“, dem Bio-Siegel für „Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau“, dem „Vegan“-Zeichen für Herstellung „ohne tierische Inhaltsstoffe“ sowie dem „UVA“-Zeichen. Letzteres ist das offizielle Zeichen, dass die von der EU-Kommission / COLIPA empfohlenen Absorptionswerte (UV-A und UV-B-Wellen) im Verhältnis von eins zu drei erreicht werden.

Pflanzliche Hilfe nach dem Sonnenbad

Nach dem Sonnenbad beruhigen und kühlen After Sun-Produkte die Haut. Sie wirken entspannend und vitalisierend. Um nach dem Sonnenbad den beanspruchten Säureschutzmantel der Haut zu unterstützen, bieten Naturkosmetikhersteller Lotions mit Sheabutter, Sonnenblumenöl und Mandelöl. Kühlende Feuchtigkeit spenden beispielsweise Aloe Vera, Jojobaöl, Rosenblüten- oder Lavendelblütenauszüge. Am besten alles aus biologischem Anbau. Es können aber auch Mittel mit  spagyrischen pflanzeneigenen Mineralstoffen zur Pflege verwendet werden. Zur Herstellung von spagyrischen Präparaten werden Ideen, die auf Paracelsus (1493 bis 1541) zurückgehen, umgesetzt. Dabei werden Kräuter von der Wurzel bis zur Blüte verarbeitet, häufig mit Destillation. Falls doch ein Sonnenbrand auftritt, gibt es beispielsweise ein Mittel, das spagyrische Essenzen aus Arnica, Belladonna und Echinacea beinhaltet. Es wird auf die betroffenen Hautstellen gesprüht.  

Auch die Augen brauchen Schutz

Wer seine Augen im Sommer nicht mit einer Sonnenbrille schützt, riskiert eine Hornhautentzündung oder gar Grauen Star. Schädlich für die Augen ist das unsichtbare Ultraviolettlicht mit einer Wellenlänge von 180 bis 360 Nanometern. Daher sollte die Sonnenbrille das UV-Licht bis zu 400 Nanometern (nm) vollständig filtern. Gut geeignet sind Brillen der Kategorie 2 mit dunklem Universalfilter und einer Lichtdurchlässigkeit von 18 bis 43 Prozent. In den Tropen, in der Wüste oder im Hochgebirge, auf dem Wasser oder am Strand sind Sonnenbrillen der Kategorie 3 mit sehr dunklem Filter und einer Lichtdurchlässigkeit von acht bis 18 Prozent empfehlenswert, rät die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund. Beim Skifahren oder auf Gletschern empfiehlt sie Brillen der Kategorie 4 mit extrem dunklen Filtern und einer Lichtdurchlässigkeit zwischen drei und 18 Prozent.

Wichtig zu wissen

Mehr als 50 intensive UV-Bestrahlungen pro Jahr sollte man nach Ansicht des Bundesamts für Strahlenschutz der Haut nicht zumuten. Und Sonnenbrand auf alle Fälle vermeiden.
Einige Arzneimittel wie etwa Antibiotika, einige Schmerz- und Entwässerungsmittel sowie einige Präparate gegen Bluthochdruck oder Rheuma erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut – so auch Johanniskrautpräparate - oder können Allergien auslösen. Wer Medikamente einnimmt, sollte daher vor dem Sonnenbad seinen Arzt fragen. Ist die Haut bereits vorgeschädigt, sei es durch einen Sonnenbrand, durch Melanome oder frische Narben, gilt es im Schatten zu bleiben, um mögliche Wucherungen oder Verhärtungen zu vermeiden. Im Zweifelsfall mit einem Dermatologen sprechen. Vor dem Sonnenbad verzichtet man am besten auf die Verwendung von Pflegecremes und Deodorants, da sie bleibende Pigmentierung hervorrufen können. Make up sollte zuvor entfernt werden. Parfüms sollte man im Sommer nur an lichtgeschützten Stellen, etwa hinter den Ohren, auftragen.
Es kann zudem sinnvoll sein, Vorsorgeuntersuchungen gegen Hautkrebs in Anspruch zu nehmen: Gesetzlich Versicherte, die älter als 35 Jahre sind, können alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening machen lassen. Für diese gesetzliche Untersuchung zur Früherkennung fällt keine Praxisgebühr an. Wie bei anderen Krebsarten gilt auch bei Hautkrebs: Je früher entdeckt, desto besser für den Betroffenen!

Kommentare (0)

Bitte Kommentar schreiben

Für diese Aktion müssen Sie sich einloggen. Die Anmeldung bei Yilangi ist schnell, unkompliziert und kostenlos. Sie benötigen lediglich Ihre E-Mail sowie ein Passwort und schon geht es los.

Letzte Kommentare

  • Das Atemwochenende im Antoniushof Anfang März hat uns allen richtig ATEMLUST gemacht. Und Anette Sanladerer-Lorenz hat uns mit ihrer...

    Magdalena Unger

    23. März, 2012 |

  • Es strömt einfach viel zu viel auf uns ein. Keiner kann mehr sagen: STOPP !
    Denn dann ist man nicht dabei... und das geht nicht. Ich...

    Tanja Egginger

    22. November, 2010 |

  • Zu diesem Thema kann ich folgenden Reise-Anbieter weiterempfehlen:
    http://www.neuewege.com/
    Ich habe bereits 3 x eine Reise dort...

    Cornelia Becker

    19. August, 2010 |

  • Die Wirkung von Jin Shin Jyutsu kann ich nur bestätigen: Fast jeden Tag halte ich einen oder alle Finger, um den Körper und die Organe...

    Ulrike Holtzem

    13. August, 2010 |

  • Ich wende die Mudras regelmäßig an. Besonders das Bhramara-Mudra hat mir schon sehr bei Erkältungen und anderen Beschwerden geholfen!...

    Ulrike Holtzem

    13. August, 2010 |