Was Herz und Hormone umtreibt
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Frühlingsgefühle

Alles neu macht der Mai: Manch einer fühlt sich jetzt ungewöhnlich lebendig, leicht und unbekümmert, ist vielleicht in Aufbruchsstimmung und hat Lust, sich zu verlieben...
Die Frühlingssonne wärmt die Haut, blühende Sträucher verströmen ihren Duft. Die Hormone beginnen zu tanzen. Plötzlich erscheint das Leben wunderbar leicht und mühelos, aufregend und schön. Frühlingsgefühle – Sinnbild geballter Lebensfreude und überschäumender Energie. Nach dem emotionalen Winterschlaf – besonders nach diesem langen kalten Winter - erwacht bei vielen die Lust zum Flirten und die Bereitschaft, sich zu verlieben. Und wenn es tatsächlich klappt: endlich Sonnenschein im Herzen und Schmetterlinge im Bauch.

Selten ist das menschliche Befinden heute noch so eng verknüpft mit Temperatur und Tageslänge, mit dem Wachstum der Pflanzen und dem Verhalten der Tiere wie im Frühling. Denn die wärmer und heller werdenden Tage scheinen ein Weckruf für alle zu sein. Der Tag beginnt wieder mit dem Morgenkonzert der Vögel, Märzenbecher und Krokusse gehören mit zu den ersten, die ihre Blüten öffnen, Bäume und Sträucher treiben aus. Die Zugvögel kehren zurück, bald beginnt die Paarungszeit der Tiere, der Nestbau der Vögel. Frauen zeigen mit leichten Kleidern in fröhlichen Farben viel mehr von ihrer Figur und Haut als in den Wintermonaten. Die „neue Weiblichkeit“ hebt die Stimmung, nicht nur bei den Männern. Kein anderer Übergang von einer Jahreszeit zur nächsten beeinflusst so stark das Wohlbefinden.

Startschuss für den Frühling

Offizieller Frühlingsbeginn ist am 20. März. In manchen Jahren verschiebt sich dieses Datum um einen Tag. An diesem astronomischen Frühlingsbeginn steht die Erde auf ihrer Reise um die Sonne so, dass Tag und Nacht jeweils zwölf Stunden dauern. Bis zum 21. Juni werden die Tage dann immer länger. Daneben gibt es den meteorologischen Frühlingsbeginn, der immer am 1. März stattfindet. Der Lenz dauert genau drei Monate so wie die anderen Jahreszeiten auch.

Steigende Laune bei Sonnenschein

Licht gilt als Motor für den Biorhythmus. Im Winter ist es wichtig, mittags Spaziergänge zu unternehmen oder ein Lichttherapiegerät zu benutzen, um ausreichend Helligkeit abzubekommen. In künstlich beleuchteten Räumen herrscht nur eine Lichtstärke von 200 bis 1.000 Lux, so dass das Schlafhormon Melatonin die Regie übernimmt, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Müdigkeit, Kraft- und Freudlosigkeit sind oft die Folge. Manch einer leidet unter einer Winterdepression, einer saisonal abhängigen Depression (SAD), die im Frühling wieder verschwindet - ein bisschen wie in dem Volkslied: „Winter ade, scheiden tut weh, aber Dein Scheiden macht, das mir das Herze lacht“.

An einem sonnigen Frühlingstag bei etwa 23 Grad Celsius wird die positive Stimmung am meisten gefördert. Im Sommer kurbelt das Sonnenlicht mit einer Lichtstärke von bis zu 100.000 Lux den Organismus an. Je stärker das Licht, umso mehr wird die Ausschüttung von Serotonin und Dopamin gefördert. Das allgemeine Befinden verbessert sich, eine leichte Euphorie entsteht. Der Botenstoff Dopamin schenkt Verliebten ein großes Glücksgefühl. Das Neurohormon Serotonin wird häufig auch als Glückshormon bezeichnet; streng genommen handelt es sich dabei aber nicht um ein Hormon, sondern ebenfalls um einen Botenstoff. Serotonin beeinflusst im Gehirn unter anderem die Wahrnehmung, den Schlaf und den Appetit. Leidet ein Mensch unter Serotoninmangel, können Ängste und Depressionen die Folge sein.

Je stärker im Frühling die Lichtintensität steigt, desto mehr reagiert die innere Uhr, der Nucleus suprachiasmaticus (SCN), der oberhalb des Sehnervs angesiedelt ist. Der SCN leitet die Informationen über die Tageslänge an die Zirbeldrüse im Hirn weiter. Sie sorgt dafür, dass bei Dunkelheit oder Dämmerlicht Melatonin ausgeschüttet wird. Je heller das Tageslicht, umso weniger Melatonin wird ausgeschüttet.

Verliebt in den Frühling

Der Frühling gilt seit jeher als Jahreszeit der Verliebten. Umfragen zufolge sehnen sich vor allem im Frühling viele nach einem Partner. Die heitere Stimmung erleichtert es, neue Kontakte zu knüpfen und sich zu verlieben. Bis ins 16. Jahrhundert lag die Geburtenrate im März um ein Fünftel höher als während des restlichen Jahres; die meisten Kinder wurden also im Juni des Vorjahres gezeugt. Heute fällt die Geburtenrate im März nur noch geringfügig höher als sonst.

Wissenschaftlich ist die Existenz von Frühlingsgefühlen nicht ausreichend belegt. Nicht in jedem Jahr stellen sich bei jedem Menschen Frühlingsgefühle ein. Manche Wissenschaftler, etwa der Endokrinologe und Hormon-Experte, Professor Dr. Martin Reincke, meinen ohnehin, dass diese lichtbedingten Hormonausschüttungen nur noch bei Naturvölkern stattfinden: „Frühlingsgefühle, zumindest hormonell gesteuerte Frühlingsgefühle – die gibt es nicht, oder zumindest nicht mehr“, so der Direktor der Medizinischen Klinik am Klinikum der LMU München. Denn in zivilisierten Gesellschaften nehmen die Menschen den ganzen Winter lang Kunstlicht auf. Viele Lichthungrige besuchen zudem Sonnenstudios oder reisen in der dunklen Jahreszeit in mediterrane oder tropische Regionen. Das wirke sich auf die Hormonproduktion aus, so dass sich der Körper im Frühling gar nicht mehr umzustellen brauche. In der eigenen Wahrnehmung fühlt sich das allerdings möglicherweise ganz anders an...

Rezept zum Verlieben

Manch einer möchte jetzt gerne sein Herz verlieren und mit einem neuen Partner glücklich werden. Sich zu verlieben ist ein Glücksfall im Leben, der sich nicht steuern lässt. Als Verliebtheit wird ein intensives Gefühl des Begehrens und der Zuneigung bezeichnet. Dazu gehören Sehnsucht, Verlangen und manchmal auch körperliche Symptome. Wenn zwei Menschen sich ineinander verlieben, finden sie sich gegenseitig sehr sympathisch und attraktiv. Psychologen vermuten, dass die Ähnlichkeit des anderen mit der eigenen Person eine größere Rolle spielt als die guten Gespräche, die die beiden miteinander führen. Eine typische Begleiterscheinung des Verliebtseins ist die Fehleinschätzung des neuen Partners. Fehler der geliebten Person werden übersehen oder gar als positiv bewertet.

Ein Rezept, wie Verliebtheit und Frühlingsgefühle erzeugt werden können, gibt es nicht. Die schönsten Dinge des Lebens lassen sich weder kaufen noch erzwingen, nicht verstärken und nicht festhalten. Auch wenn man es noch so sehr herbeisehnt. Es geschieht - oder auch nicht. Und zu einem Zeitpunkt, auf den die Beteiligten oft keinen Einfluss haben. Aber gerade das macht ja Verliebtheit und Frühlingsgefühle so unendlich schön und kostbar.

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