Von wegen Planschen: Aqua-Fitness
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Optimale Bewegung auch bei gesundheitlichen Einschränkungen

Wassergymnastik sieht beschaulich aus, ist es aber nicht: Übungen im Schwimmbecken sind zwar knochen- und gelenkschonend, aber sie fordern  Muskulatur und Ausdauer. Und sorgen für gute Laune!
Der Donnerstag ist Sonja Wahl heilig. Komme, was da wolle. Denn an diesem Tag geht die 65-Jährige regelmäßig zur Wassergymnastik – zusammen mit ihrer Freundin. „Meine Freundin Regina habe ich ermutigt, mitzumachen“, erklärt Wahl, die auf der Schwäbischen Alb lebt, „und es tut uns beiden immer sehr gut. Wir freuen uns schon immer auf diesen Termin.“ Zwar dauert die Gymnastik im 32 Grad warmen Wasser nur eine halbe Stunde, doch die hat es in sich. Mit Hilfe von Schaumstoffhanteln, bunten Schaumstoffschläuchen (Poolnudeln) und kleinen Kunststoffbrettern werden die Muskeln von Armen, Beinen und dem Oberkörper gekräftigt. Da kommen die Kursteilnehmer ganz schön ins Schwitzen. Immer wieder ermahnt die Leiterin die acht Männer und Frauen: „Wenn Sie Schmerzen bekommen, hören Sie auf oder machen die Übung nicht so intensiv!“ Alle halten sich akribisch daran. Nur zu gut kennen und spüren sie die Folgen, wenn sie es übertreiben und sich zu sehr anstrengen.

Laufen ohne festen Boden unter den Füßen

Unter Wassergymnastik oder Aqua-Gymnastik versteht man ein spezielles Bewegungsprogramm im Wasser. Teilsweise sind die Kraft- und Ausdauerübungen identisch mit denen außerhalb des Wassers. Andere wiederum wurden extra für die spezifischen Bedingungen im Wasser entwickelt. Optimal ist Wassergymnastik für Senioren und Menschen, die über gesundheitliche Beschwerden wie Rheuma, Osteoporose, Rückenschmerzen oder Knieprobleme klagen, denn der Wasserauftrieb schont die Gelenke. In der Rehabilitationsphase (Wiederherstellung) nach Verletzungen, Unfällen oder Operationen gehören Wasserübungen zum Standardprogramm im Rahmen der Physiotherapie. Sie helfen, den-  vorher vorhandenden körperlichen – und auch seelischen – Zustand wieder zu erreichen. Seit einigen Jahren erweitert Aquajogging die Bewegungsspielarten im Wasser.

Aquajogging verbrennt massig Kalorien

Beim Aquajogging tragen die Teilnehmer spezielle Schwimmgürtel, Westen oder Anzüge als zusätzliche Auftriebshilfen. Die ermöglichen ein Gehen oder Laufen im Wasser – ohne den Boden zu berühren. Nur der Kopf bewegt sich über der Wasseroberfläche. Wie beim Joggen an Land werden „Schritte“ gemacht, die Knie gehoben und die Arme seitlich mitbewegt. Wer es schon mal ausprobiert hat, weiß, dass Wasserlaufen wahnsinnig anstrengt, obwohl keine Schwerkraft die Übenden immer wieder auf den Boden zurückholt wie beim normalen Laufen. Daher ist es für Wasserratten eine gute Möglichkeit, die Ausdauerleistungsfähigkeit zu steigern oder  etwa nach Verletzungen des Sprung- oder Kniegelenks die Kondition aufrecht zu erhalten. Zudem zeigte eine Untersuchung, dass Freizeitsportler beim Aquajoggen deutlich mehr Kalorien verbrauchen als beim Laufen durch den Wald. Auch die Intensität lässt sich gut steuern: Wer sich nicht bewegt, spürt keinen Wasserwiderstand. Doch je schneller die Bewegungen gemacht werden, umso größer wird der Widerstand und damit die Intensität. Zudem treten ohne Bodenberührung keine Stoßkräfte auf – . Eein Argument, das diese Bewegungsform gerade für Menschen mit Übergewicht empfiehlt.

Wasserdruck fördert den Blutrückfluss zum Herzen

Ob Wassergymnastik, Aquajogging oder einfache Übungen am Beckenrand: Bewegungen im Wasser haben über den Bewegungseffekt hinaus positive therapeutische Wirkungen: Einmal führt der hydrostatische Druck zu einem verbesserten Rückstrom des venösen Blutes aus Armen und Beinen zum Herzen. Die zusätzliche Kontraktion, also das Zusammenziehen der Muskeln, komprimiert die etwas tiefer liegenden Beinvenen und unterstützt so den Blutrückfluss zum Herzen. Wenn die Wassertemperatur nicht zu hoch ist (deutlich unter 30 Grad), sind Schwimmen sowie Wassergymnastik ideal, um Krampfadern vorzubeugen (vgl. So bleiben die Venen gesund). Außerdem sorgt der Auftrieb im Wasser dafür, dass das Körpergewicht um bis zu 90 Prozent reduziert ist. Daher muss nur zehn Prozent des Körpergewichts im Wasser bewegt werden. Schwimmen und Gymnastik im kühlen Nass bieten sich auch von daher für Übergewichtige an, da die Kraft- und Konditionsübungen aufgrund des Auftriebs Gelenke, Sehnen und Rücken nicht belasten. Achtung: Teilweise sind die Übungen, die ja gegen den Wasserwiderstand ausgeführt werden, anstrengender als außerhalb des Wassers. Probieren Sie es mal aus!

Krankenkassen unterstützen Wassergymnastik-Kurse

Menschen mit Bluthochdruck sollten sich langsam an die Wassertemperatur gewöhnen und nicht einfach ins kalte Wasser springen. Für sie gilt immer: vorher kalt abduschen. Der Kältereiz könnte sonst den Blutdruck in lebengefährliche Dimensionen ansteigen lassen. Für Sonja Wahl, die an Osteoporose leidet, ist die regelmäßige Wassergymnastik ideal. Denn aufgrund des Auftriebes und der Schwerelosigkeit des Körpers ist die Belastung auf Wirbelsäule, Knochen und Bandscheiben extrem niedrig. Und wenn das Wasser karibikähnliche Temperaturen hat, können gesundheitlich angeschlagene Menschen Bewegungen ausführen, die sonst nicht möglich sind. „Ich komme einfacher an meine Schmerzgrenze heran“, erklärt Wahl, „und nach der Gymnastik kann ich deutlich besser gehen und mich bewegen.“ Bei ihrem Hausarzt hat sie einen Antrag gestellt auf Kostenübernahme. Inzwischen bezahlt ihre Krankenkasse den Wassergymnastik-Kurs, den die Rheuma-Liga in einem speziell ausgestatteten Bad anbietet.

Sportalternative (nicht nur) für Schwangere und Senioren

Auch für Schwangere ist die Bewegung im Wasser ideal. Sofern die Schwangerschaft normal verläuft, können werdende Mütter bis zur Geburt schwimmen oder Wassergymnastik machen, denn das Gewicht des Babybauches ist im Wasser kaum spürbar. Schwangere profitieren ganz besonders von den positiven Wirkungen des hydrastischen Drucks auf ihre Blutgefäße. Ohne sich anzustrengen, allein durch den Aufenthalt im Wasser, wird der Rücktransport des venösen Blutes unterstützt.

Senioren können bis ins hohe Alter können Schwimmen oder zur Wassergymnastik gehen. Da selbst bei eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit das Herz-Kreislaufsystem gestärkt, die Ausdauer gesteigert und das Zusammenspiel von Arm-, Bein- und Rumpfbewegungen, also die Koordination verbessert wird.

Eintauchen und die Seele baumeln lassen

Neben den körperlichen, den physiologischen Wirkungen, tut die Bewegung im Wasser auch der Seele gut. Auf dem Rücken liegen und sich im angenehm warmen Wasser treiben lassen, die Schwerelosigkeit genießen oder Bahn für Bahn schwimmen –  das genießen viele Menschen. Sie finden ihr seelisches Gleichgewicht, können sich entspannen, Stress abbauen und die Gedanken schweifen lassen. Wer Angst hat, das Gesicht ins Wasser zu tauchen oder Wasser in die Augen zu bekommen, kann sich eine Wassergewöhnung unter fachkundiger Anleitung eines erfahrenen Trainers gönnen.

Dass sich körperliche Bewegung auch auf psychische Krankheiten positiv auswirkt, gilt inzwischen unter Medizinern, Psychologen und Heilpraktikern weithin als gesichert. In vielen Therapien sind inzwischen sportliche Aktivitäten integriert, etwa bei der Behandlung von Depressionen.  Positive Erlebnisse im Sinne von „Ich schaffe etwas, was ich vorher nicht glauben konnte“ stärken das Selbstvertrauen, bauen Ängste ab und wirken stimmungsaufhellend. Bei gesunden Menschen nennt man letzteres schlecht gute Laune. Die hat Sonja Wahl definitiv immer donnerstags. Nach der Wassergymnastik.

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