Risikofaktor Cholesterin? Gesunder Lebensstil gegen Blutfette
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Stark erhöhte Blutfettwerte können Herzkreislauf-Erkrankungen begünstigen

Je höher die Blutfettwerte, desto größer das Risiko von Herzkreislauf- und Gefäßerkrankungen. Doch wie ist den erhöhten Blutfetten beizukommen? Weder cholesterinreduzierte Margerine noch Lipidsenker sind Zaubermittel; wichtig ist ein gesunder Lebensstil.
Sein Blutdruck ist grenzwertig, der Cholesterinspiegel ebenfalls. Seit knapp 30 Jahren lebt Thomas Schumacher (Name geändert) mit dem Wissen, dass er erhöhte Blutfett- und Blutdruckwerte hat. „In der Erste-Hilfe-Ausbildung beim Jugend-Rotkreuz“, erinnert er sich, „übten wir Blutdruckmessen und da wurden bei mir Werte von 140/90 oder höher festgestellt.“ Der damals 17-Jährige aus Oberbayern nahm daraufhin einige Jahre Blutdrucksenker, mit geringfügigem Erfolg. Um seinen Cholesterinspiegel zu senken, änderte Thomas Schumacher auf ärztlichen Rat seine Ernährung. Er verzichtete auf tierische, fettreiche Lebensmittel wie Butter, Käse, Eier, Milch und Fleisch. Doch der Fettstoffwechsel reagierte nicht auf die Nahrungsumstellung. Die HDL- und LDL-Werte blieben an der oberen Grenze (siehe Kasten). Resultat der Untersuchungen und Behandlungen: „Die Ärzte sagten mir, dass mein Blutdruck und meine Cholesterinwerte Veranlagung sind und kaum Besserungen erzielt werden können.“ Selbst wenn eine deutliche Senkung für Thomas Schumacher mit medikamentöser Hilfe nicht möglich ist: Mit Hilfe von gesunder Ernährung, Ausdauersport und Yoga bleiben die Werte des 46-jährigen Wirtschaftsinformatikers schon seit Jahren konstant. „Damit kann ich gut leben.“

Gefahren durch Cholesterin 

Erhöhte Blutfettwerte gelten neben Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Rauchen und Bewegungsmangel als Risikofaktoren für Herzkreislauf- und Gefäßkrankheiten. Eine zu hohe Konzentration an Cholesterin und Triglyceriden im Blut kann zur Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) führen. Verengungen bzw. Verklumpungen der Blutbahnen begünstigen die Entstehung von Thrombosen (Gefäßverschluss durch Blutgerinnsel), Herzinfarkt und Schlaganfall. Besonders bei Typ-II-Diabetikern können erhöhte Blutfettwerte zu schweren Gefäßschädigungen führen. Ungünstige Blutfettwerte sind bei manchen Menschen wie bei Thomas Schumacher erblich bedingt. Bei den meisten Betroffenen sind sie auf einen ungesunden Lebensstil mit fettreichem Essen, Lebensmitteln mit kurzkettigen Kohlehydraten, Alkohol, Rauchen, Diabetes, Stress und Bewegungsmangel zurückzuführen. Eine konsequente Änderung der Lebensgewohnheiten könnte die Blutfettwerte auf Normalniveau bringen.

Lebensnotwendiger und eigenproduzierter Stoff

An und für sich ist Cholesterin ein harmloser und lebensnotwendiger Stoff – eine Grundsubstanz des Körpers und Bestandteil jeder Zellwand (Membran) sowie ein Vorläufer von Hormonen (Sexualhormonen), Gallensäuren und Vitamin D. Ohne das in allen tierischen Zellen vorkommende, wasserunlösliche Naturprodukt wäre Leben gar nicht möglich: Erst wenn das Cholesterin gewisse Richtwerte (siehe unten) überschreitet, ist das ein Warnsignal, das im weitesten Sinne für eine Stoffwechselstörung spricht. Der Name Cholesterin leitet sich übrigens vom griechischen Wort „chole“ (Galle) und „stereos“ (fest) ab und wurde bereits im 18. Jahrhundert in Gallensteinen gefunden. Auch die anderen im Blut gelösten Fette, die Triglyceride, sind unerlässlich für unser Überleben: Sie bilden das Depotfett. Das ist ein wichtiger Energiespeicher, polstert zudem lebenswichtige Organe wie die Nieren ab und isoliert den Körper vor Kälte. 

„Hab-dich-gern“-Cholesterin tut Gefäßen gut

Fette werden im Blut an Eiweißkörper (Lipoproteine) gebunden. Das LDL-Cholesterin (Low Density Lipoprotein, zu deutsch: Lipoprotein niederer Dichte) arbeitet als ein solches Trägermolekül und transportiert das vom Körper gebildete Cholesterin von der Leber zu den Geweben. Bewegung und eine gesunde Ernährung halten den LDL-Spiegel niedrig. Um den hochkomplizierten Vorgang zur Produktion, Transport und Abbau von Cholesterin ständig am Laufen zu halten, sollten die Anteile von HDL-Cholesterin (High Density Lipoprotein mit hoher Dichte) im Blut so hoch wie möglich gehalten werden. Im Gegensatz zum LDL sind sie dafür zuständig, überschüssiges Cholesterin aus den peripheren Geweben wie den Innenauskleidungen der Blutgefäßwände zurück zur Leber zu transportieren. Hier kann das Cholesterin dann in Gallensäuren umgewandelt und über die Gallenflüssigkeit ausgeschieden werden. Der Cholesterintransport in Richtung Leber hält den Cholesterinstoffwechsel im Gleichgewicht. 

Gesunder Lebensstil wirkt auf den Blutfettspiegel

Körperliche Bewegung und Sport wirken sich positiv auf die Blutfette aus: das „gute“ HDL nimmt zu, die Triglyceride ab. Das hat Thomas Schumacher bei sich beobachtet: „Wenn ich regelmäßig jogge und radfahre, also dreimal die Woche Ausdauersport betreibe, sind meine Werte deutlich besser.“ Sein Cholesterin lässt er regelmäßig beim Arzt oder Heilpraktiker untersuchen. Denn ein erhöhter Blutfettspiegel ist nicht zu spüren. Erst übermäßige Fetteinlagerung in Organen wie Leber und Milz verursachen Beschwerden und sind von Therapeuten durch Tasten erkennbar. Bei Schumacher wurden solche Auswirkungen nicht diagnostiert. Er muss trotz seines erhöhten Blutfette keine Medikamente einnehmen. Der 46-Jährige ernährt sich jedoch sehr ballaststoffreich (Vollkornbrot, Müsli, Gemüse), weil dadurch der Speisebrei schneller den Darm passiert und weniger Cholesterin aufgenommen wird. Schumacher isst außerdem wenig Fleisch und Wurst, verzichtet auf industrielle Produkte wie Pommes oder Fertiggerichte und trinkt ganz selten Alkohol.
Obwohl schon allein solch ein Lebensstil bei anderen Betroffenen zu einer deutlichen Verbesserung der Blutfettwerte führen würde, verordnen Schulmediziner Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten oft cholesterinsenkende Präparate, so genannte Lipidsenker (Statine): eine in Fachkreisen umstrittene und kontrovers diskutierte Behandlungsmethode. 

Artischocke und Enzian unterstützen die Leber

Die Heilpraktikerin Dr. phil. Dagmar Hemm sieht die ganze Diskussion recht gelassen: „In der Naturheilkunde macht man kein so Drama um die Cholesterinwerte wie in der Schulmedizin.“ Bei erhöhten Cholesterinwerten untersucht sie die Leber und die Fettverdauung genauer. Sie empfiehlt bei einer überforderten Leber „eine Entgiftungskur oder Mariendistelsamen zur Leberzellregeneration“. Ansonsten setzt die Münchner Heilpraktikerin Pflanzenstoffe zur Förderung der Fettverdauung wie Artischocke, Tausengüldenkrauttee und Bitterstoffe (Enzian) ein. Manchen Betroffenen verordnet sie Schüssler-Salze Nr. 6 (Kalium Sulfuricum) und Nr. 10 (Natrium Sulfuricum) zur Entschlackung, gleichzeitig stärkt das Salz Nr. 6 die Leber. Bei Störungen der Fettverdauung ist das Schüssler-Salz Nr. 9 (Natrium Phosphoricum) hilfreich. Pflanzliche Stoffe wie Flohsamenschalen und Guar – beispielsweise in Joghurt oder Müsli gemischt – vermindern die Aufnahme der Nahrungsfette im Darm. Knoblauchpräparate senken ebenfalls die Blutfettwerte.
Die Homöopathie kennt keine einzelnen Mittel zur Behandlung, eine Senkung des Cholesterinspiegels kann jedoch durch eine konstitutionelle Behandlung erreicht werden. Fragen Sie bei Ihrem Heilpraktiker oder Homöopathen nach geeigneten Mitteln. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist Cholesterin nicht bekannt. Menschen, die durch falsche Ernährung an Fettleibigkeit leiden, bekommen schleimbewegende Kräuter verschrieben und zur Stärkung der Milz Akupunktur. Erhöhte Cholesterinwerte gelten in der ayurvedischen Medizin als Kapha-Störung. Sie wird mit viel Bewegung wie Yoga und leichtem, kräftig gewürztem Essen behandelt. Das in der ayurvedischen Küche häufig verwendete Ghee (geklärtes Butterschmalz) reduziert hohe Cholesterinwerte. Außerdem sollten Betroffene über den Tag verteilt mehrere Tassen heißes Wasser trinken. Thomas Schumacher ist offen für alternative Behandlungsmethoden wie Homöopathie und er geht auch regelmäßig ins Yoga-Training. Doch heißes Wasser trinken, findet er, „das geht gar nicht.“ Erhöhte Blutfettwerte hin oder her.


Wie hoch dürfen die Werte sein?

Der durchschnittliche Gesamtcholesterinspiegel wie auch die LDL- und HDL-Spiegel von gesunden Menschen sind von Land zu Land verschieden, alters- und geschlechtsabhängig. Daher gibt es nur generelle Richtwerte, die unter Fachleuten teilweise umstritten sind.

Generell nimmt der Gesamtcholesterinspiegel im Alter deutlich zu. In der Regel ist er bei jungen Frauen etwas niedriger als bei jungen Männern. Mit zunehmendem Alter gleicht sich dieser Unterschied aus. Ältere Frauen haben meist einen höheren Cholesterinspiegel als gleichaltrige Männer. Meist deutlich erhöht sind die Gesamtblutfette bei schwangeren Frauen.

Aus einer Blutprobe werden im Labor die Werte ermittelt. Die Blutabnahme beim Arzt oder Heilpraktiker erfolgt nüchtern. Je mehr Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und fettreiche Ernährung ein Mensch hat, desto niedriger soll das Gesamtcholesterin sein, um einer Arteriosklerose vorzubeugen. Die Lipid-Liga (DGFF, Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen e.V.) stuft Laborergebnisse des Gesamtcholesterins, die unter 200 Milligramm pro Milliliter (mg/ml) liegen, als normal ein. Prinzipiell sollte der LDL-Anteil im Blut möglichst niedrig sein. Ohne zusätzliche Risikofaktoren gilt ein Wert von 160 mg/dl bei Männern als ideal, bei Frauen sollte er unter 100 mg/dl liegen. Bei Patienten mit hohem Risiko, also etwa einer koronaren Herzkrankheit sollte der LDL im Bereich zwischen 70 und 100 mg/dl liegen.

Das so genannte „gute“ Cholesterin HDL wirkt der Gefäßverkalkung entgegen, indem es überschüssiges Cholesterin aus dem Körper schleust. Daher fordert die Lipid-Liga bei Gesunden einen Wert von mindestens bei 40 Milligramm pro 100 Milliliter. Darunter gilt der HDL-Wert als niedrig, eine Konzentration über 60 mg/dl stufen Experten als zu hoch ein.

Im Zusammenhang von Blutfettwerten und Gefäßerkrankungen gibt es jedoch noch weitere Aspekte, die Beachtung verdienen.
Wichtig ist etwa auch, welche Fette man zu sich nimmt: Gesättigte tierische Fette, wie sie etwa in Wurst enthalten sind, aber auch gehärtete und erhitzte Fette wie in Margarine sollte man tunlichst meiden – weniger wegen der Gefahr des Cholesterinanstiegs als wegen der Zerstörung der Lipoidstrukturen und Ausfällen degenerationsfördernder fester Fette: Diese sind nicht in der Lage, Photonen aufzunehmen und als Energiespeicher zu wirken, sondern sind für den Organismus nur noch eine Belastung, da sie zu Mikrozirkulationsstörungen und lokaler Lymphstase führen (vgl. Bodo Köhler: Grundlagen des Lebens: Stoffwechsel und Ernährung - Leitfaden für eine lebenskonforme Medizin; Walter Hartenbach: Die Cholesterin-Lüge, Herbig Verlag).
Eine wichtige Rolle spielt neben dem Fettstoffwechsel auch der Kohlehydratstoffwechsel.
Weiterführende Links
  • www.lipid-liga.de
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