Hormonyoga lindert die Beschwerden
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Natürlich durch die Wechseljahre

Nicht unser Verstand vermag, uns in den Schlaf zu wiegen, das Schwitzen abzustellen oder mehr Lust auf Sex zu verschaffen. Es sind vielmehr unsere Hormone, die den Takt angeben. Mit der Abnahme von Östrogen, dem wichtigsten Geschlechtshormons der Frauen, schwankt das Wohlbefinden. Wer auf sanftes Hormonyoga setzt, kann sich künstliche Hormonpillen sparen.

Eigentlich könnte es jetzt so schön sein: Die Kinder sind aus dem Haus. Die nächste Beförderung im Beruf steht an und auch in der Liebe blüht der zweite Frühling heran. Frauen um die 50 haben mehr Selbstbewusstsein, mehr Zeit und auch mehr Möglichkeiten, noch einmal neu durchzustarten. Doch leider fällt die Lebensmitte auch mit einem Abschied zusammen: mit dem von ihrer Fruchtbarkeit. Die Produktion der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron lässt nach. Das wäre an sich nicht schlimm, würde damit nur die ohnehin lästige Menstruation versiegen.

Doch vor allem das Östrogen spielt im Körper leider eine kapitalere Rolle. Es unterstützt den Knochenstoffwechsel und schützt so vor Osteoporose. Es hält das Gleichgewicht zu den männlichen Hormonen und bewahrt so vor hormonell bedingten Haarausfall. Es verteidigt die Fähigkeit der Haut, Feuchtigkeit zu speichern und damit ihre Spannkraft und Jugendlichkeit. Östrogen kann sogar vor Darmkrebs und Herzinfarkt schützen. Doch mit diesem Schutz ist es nach den Wechseljahren quasi vorbei.

Und die Umstellung auf die neue Hormonlage wirbelt auch Körper und Psyche kräftig durcheinander. So klagen ein Drittel aller Frauen in dieser Phase, die sich bis zu zehn Jahre hinziehen kann, über verschiedene Beschwerden, darunter Hitzewallungen, Schlafstörungen, Depressionen und sexuelle Unlust.

Statt auf künstliche Ersatzhormone zurückzugreifen, kann man den Östrogenspiegel mit Hormonyoga ganz natürlich anheben.

Hormondrüsen massieren

Yoga – die indische geistig-körperliche Übungspraxis – ist hierzulande eine anerkannte Entspannungsmethode. Rund vier Millionen praktizieren die Mischung aus Gymnastik, Konzentration und Atemtechnik in Deutschland.

Im Unterschied zu den klassischen Yoga-Formen wirkt das Hormonyoga – wie der Name schon verrät – zusätzlich gezielt auf das Hormonsystem. Und das ist in unserem Körper sehr komplex. So produzieren nicht nur Gebärmutter und Eierstöcke Hormone, sondern auch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die Schilddrüse, die Thymusdrüse, die Nebennieren und die Bauchspeicheldrüse. Sie alle entsenden diese mächtigen Botenstoffe, die wiederum Einfluss auf das vegetative Nervensystem haben.

Sinkt etwa die Produktion des Östrogens in den Geschlechtsorganen, werden andere Botenstoffe ausgeschüttet, um das Geschehen auszugleichen – jedoch eben kein Östrogen. Und so kann es zu den genannten Beschwerden kommen.

Hormonyoga, das von der Yogalehrerin und Psychologin Dinah Rodriguez zusammen mit einer Gruppe von Gynäkologen entwickelt wurde, hilft, die Östrogenproduktion wieder anzuregen. Die Übungen wirken dabei wie eine sanfte Massage auf Eierstöcke, Schilddrüse und Nebennieren. Durch die hohe Konzentration und Ruhe kann man dazu die Hypophyse positiv beeinflussen.

Studien belegen, dass die Methode den Hormonhaushalt wieder in Balance bringt. Bei Frauen, die über vier Monate Hormonyoga praktizierten, stieg der Östrogenspiegel um bis zu 254 Prozent. Vor allem Hitzewallungen, Schlafstörungen und Depressionen können so gelindert werden.

Kraftvoll atmen

Mit jedem Luftzug tanken wir wertvollen Sauerstoff. Doch leider atmen die meisten viel zu hektisch und flach. Beim Yoga lernt man, bewusst ein- und auszuatmen und damit die Energiequelle Atem besser zu nutzen.

Besonders geeignet, Achtsamkeit und Konzentration zu steigern, ist die Atemübung Ujjayi Pranayama – der „Sieg durch Ausdehnung“. Dafür legt man sich flach auf den Rücken, schließt die Augen und atmet langsam und regelmäßig tief durch die Nase ein und aus. Dadurch hebt und senkt sich das Zwerchfell. Die Bauchdecke bewegt sich mit. Wenn man die Hände darauf legt, kann man das Heben und Senken besser spüren.
Der positive Effekt: Durch die Vibration, die der tiefe Luftstrom erzeugt, wird die Schilddrüse sanft massiert. Diese Übung kann man auch im Schneidersitz machen.

Die Eierstöcke werden durch die Blasebalg-Atmung Bhastrika massiert. Dabei atmet man schnell und kurz, aber dennoch kräftig und tief in den Bauch ein und aus. Beim Einatmen hebt sich der Bauch, beim Ausatmen wird der Bauch gezielt eingezogen.

 Die Energie lenken

Danach versucht man die Energie im Beckenboden zu kanalisieren. Dazu gibt es die Übung zur Muskelanspannung wie das Mulabandha: Dazu locker hinstellen, den Beckenboden anspannen und die Muskeln des Damms zusammenziehen. Danach das Becken kippen, in dem man das Steißbein wie eine Schaufel nach unten und vorn bewegt. So entsteht eine Schleuse, durch die sich die Energie im Beckenboden sammelt und verteilt.

Bei jeder Übung des Hormonyoga ist es wichtig, die Energie, die im Körper fließt, selbst verteilen zu können. Deshalb sollte man folgende sechs Schritte der richtigen Vorgehensweise auswendig lernen. Sie auszuführen dauert nur wenige Sekunden:

  1. Atmen Sie tief durch die Nase ein, halten Sie die Luft an und schließen Sie die Augen
  2. Lenken Sie den Blick und Konzentration von innen auf die Nasenspitze. Das erhöht die Konzentrationsfähigkeit
  3. Rollen Sie die Zunge ein und schieben Sie sie an den Gaumen. Dadurch bleibt die aufsteigende Energie im Kopf
  4. Machen Sie Mulabandha (siehe oben), um die absteigende Energie im Becken zu halten
  5. Verfolgen Sie immer noch mit geschlossenen Augen, wie die Energie entlang der Wirbelsäule wieder bis zur Nasenspitze steigt.
  6. Konzentrieren Sie sich auf die Hormondrüse, die aktiviert werden soll, und atmen Sie ruhig durch die Nase aus.

Regelmäßig ohne Stress

Damit Hormonyoga wirkt, sollten Sie es wenigstens über drei Monate hinweg fünfmal pro Woche machen. Nur Regelmäßigkeit und Hingabe führt hier zu Erfolg. Anfangs sollten Sie pro Einheit 60 bis 90 Minuten Zeit einplanen, später, mit etwas mehr Routine, genügen 35 Minuten. Das erscheint zunächst viel, doch der Einsatz wird mit mehr körperlicher und seelischer Ausgeglichenheit belohnt. Auch das Plus an Beweglichkeit wirkt sich positiv auf den Alltag aus.

Vorsicht vor Stress: Stresshormone sind quasi die Gegenspieler des Östrogen und machen den positiven Effekt des Hormonyoga schnell zunichte. Deshalb sollte man zugleich nach mehr geistiger Ruhe und Ausgleich suchen und für weniger Dinge mehr Zeit einplanen. Kein Hormonyoga sollte machen, wer unter akuten Herzproblemen, starker Osteoporose und großen Myomen – den gutartigen Geschwülsten in der Gebärmutter – leidet. Ebenso raten Experten bei hormonell bedingtem Brustkrebs, einer bestehenden Schwangerschaft oder bei Einnahme der Pille bzw. künstlicher Hormone im Rahmen einer Hormon-Ersatz-Therapie vom Praktizieren der Übungen ab.

Hier finden Sie Übungen aus dem Buch „Hormonbalance durch Yoga“ von Claudia Turske, Nymphenburger Verlag 2010, 9,95 Euro

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