Herbst – Zeit, sich zu erden
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Gesund und gestärkt ins letzte Jahresdrittel

Es ist Herbst. Die Tage werden kürzer, dunkler und kälter. Die Farben der Natur sind nun gedeckt: Sand, Beige, Hellbraun, Ocker. Die Blätter fallen zu Boden, es riecht nach Laub, Feldern und Heu. Das Lebendige der Natur nimmt ab. Im Symbol des Jungfrau-Sternzeichens (24.8.-23.9.) wird das durch das „m“ deutlich, das aus der Sterbe-Rune „Yr“ entstanden ist. Das Sternzeichen Jungfrau steht gemeinsam mit dem Sternbild Skorpion für den Herbst, aber auch für die Erde, die Mutter allen Lebens.
Diese Erdmutter wurde in vielen Kulturen verehrt, bei den alten Griechen als Gaia und Demeter, bei den Ägyptern als Isis, bei den Kelten als Weltenmutter Brighid und bei den Inkas als Pachamama. Doch auch in unserem Kulturkreis hat die Erde eine große Bedeutung. In der christlichen Tradition gilt Eva als „Leben Schenkende“, und Adam heißt übersetzt so viel wie „der von der Erde Genommene“, da er aus dem Lehm des Ackers gemacht wurde. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“, heißt es ja auch in der Bibel. Und bis heute wird in vielen christlichen Traditionen das Erntedankfest gefeiert.

Alles besteht aus Erde

Aus ayurvedischer Sicht enthält alles einen „Erdanteil“, auch wir selbst. Denn das Erdelement ist das Feste, das Stabile in den Pflanzen, in unseren Lebensmitteln und in unserem menschlichen Körper, z.B. in Gestalt unserer Knochen. Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gibt es das Bild des Erdelements. Es steht für die Stärkung der Mitte, ein stabiles Immunsystem und den Aufbau von Qi, der Lebensenergie. Im geistigen und emotionalen Sinn ist das Erdelement gut für innere Stabilität und Ausgeglichenheit, für Konzentration und Fürsorge.

Ist das Erdelement allerdings im Überfluss vorhanden, dann neigt man auf der körperlichen Ebene zu Übergewicht und Trägheit (auch in der Verdauung), auf der geistiger Ebene zu Sorgen, Grübeln und Starrsinn.

Zurück zur Natur

Menschen mit „zuviel Erde“ brauchen viel Bewegung und Lebensfreude, z.B. durch Tanzen, Laufen, Fahrrad fahren oder Spaziergänge durch schöne, herbstliche Landschaften. Dabei kann man dann auch gleich frische Luft und Sonne tanken. Auch Gesellschaft tut zur kalten Jahreszeit gut, z.B. Kochen mit Freunden.

Wer eher hektisch und nervös ist, kann sich durch den direkten Kontakt zur Natur zur Ruhe bringen und erden. Etwa durch Gärtnern (auch mit Topfpflanzen), dem Berühren von Kastanien, Nüssen, Blättern, Zweigen und Baumrinde, aus denen man auch schöne Dekorationen zaubern kann. Oder man versucht, sich in den Herbst einzufinden, indem man sich vermehrt mit Herbstfarben umgibt, bei der Kleidung, in der Wohnung oder – wie die Japaner es gerne tun – mit speziellem Herbst-Geschirr.

Zur eigenen Mitte und mehr Ausgeglichenheit findet man auch mit Meditationen. Alleine das Sitzen auf dem Boden, auf einem speziellen Meditationskissen, führt zu einem Gefühl von Stabilität und Bodenhaftung. Der Geist wird zur Ruhe gebracht, indem man aus- und einatmet, sich nur auf dem Atemfluss konzentriert, alle anderen Gedanken wie Wolken ziehen lässt. Dabei zählt man bis zehn (aus = 1, ein = 1, aus = 2, ein = 2 usw.) und beginnt dann wieder von vorne.

Solche Übungen kann man auch in Form von Geh-Meditationen durchführen, dann wählt man einen bestimmten Atem-Rhythmus (z.B. sechs Schritte einatmen, vier Atemzüge ausatmen). Gute Methoden zur Erdung gibt es auch im Qigong, Tai Chi und Yoga.

Essen im Rhythmus der Jahreszeiten

In der TCM geht man von fünf Elementen (vgl. Beitrag zur Ernährung) aus – Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser, denen man bestimmte Geschmacksrichtungen (bitter, süß, scharf, salzig und sauer) zuschreibt, die wiederum bestimmte Wirkweisen haben.

Das Erdelement steht dabei für „süße“ Speisen. Gemeint sind damit aber nicht Industriezucker oder Süßstoffe, sondern milde, natürlich süße Lebensmittel wie Möhren (nicht roh!), Fenchel, Kürbis, Kohl und Getreide (außer Weizen). Zur kalten Jahreszeit sollte man zudem darauf achten, dass man nicht so viele „verschleimende“ Lebensmittel zu sich nimmt wie Milchprodukte, Bananen, Weizen, Zucker, da sie Erkältungen und andere „Schleim-Erkrankungen“ fördern.

Auch die thermische Wirkung von Lebensmitteln ist wichtig. Während exotische Früchte wie Melonen, Ananas oder Orangen den Körper stark auskühlen, wirken Herbstgemüse, Ingwer-Tee sowie viele Kräuter und Gewürze (z.B. Zimt) wärmend. Je länger und schonender ein Gericht zubereitet wird, desto mehr Energie (und somit Wärme) steckt übrigens drin. Das wussten unsere Großmütter auch schon: Zur kalten Jahreszeit setzten sie auf deftige Eintöpfe und lange gekochte Suppen aus Herbstgemüse (Kohl, Karotten, Kürbis, Lauch, Erbsen, Fenchel, Blumenkohl, Pastinaken usw.). Wer regional und saisonal einkauft, am besten bio, dazu noch selber kocht, der hat gute Chancen, keinen „Herbstblues“ – mit Müdigkeit, Trägheit und Verstimmungen – zu bekommen.

Da jeder Mensch anders ist und also auch eine andere Ernährung braucht, ist es allerdings bei bestehenden Gesundheitsproblemen oder auch vorbeugend empfehlenswert, sich in Sachen Ernährung und Lebensführung (Pausen, Bewegung, Schlafrhythmus, Umgang mit Stress usw.) professionell beraten zu lassen; die Traditionelle Chinesische Medizin wie auch das Gesundheitskonzept des Ayurveda verfügen über entsprechendes Wissen, das auf der Erfahrung vieler Generationen beruht.

Wandlungsphasen für sich nutzen

Für ein gesundes und ausgeglichenes Leben ist es das Beste, der Natur zu folgen, statt zu versuchen, dagegen anzukämpfen. Wandlungs- und Übergangsphasen wie der Herbst und die Zeit der Erde können damit auch Chancen bieten. Sie können zu einer Zeit der inneren Besinnung werden, zum Klären des eigenen Lebens und zur Vorbereitung auf den nächsten Zyklus, der schon in wenigen Monaten wieder mit dem Frühling, mit frischen Ideen und Lebenslust startet.

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