Gesund verhüten
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Mit und ohne Hormone

Noch nie in der Menschheitsgeschichte gab es so viele Verhütungsmethoden. Doch bekanntlich hat, wer die Wahl hat, auch die Qual...
Hormonpflaster kleben, Kondome verwenden oder doch lieber einen Verhütungscomputer benutzen? Diese Fragen stellen sich viele Frauen, die vorübergehend oder auch langfristig nicht schwanger werden möchten. Mehr als die Hälfte der Paare in Deutschland verhütet mit der Pille, 19 Prozent mit Kondomen, 13,5 Prozent mit einer Spirale. Sieben Prozent haben sich für eine Sterilisation entschieden. Lediglich 6,5 Prozent wählen andere Methoden. Wie sicher eine Verhütungsmethode ist, verrät der Pearl-Index. Er besagt, wie viele Schwangerschaften eintreten, wenn 100 Frauen ein Jahr lang ausschließlich eine bestimmte Verhütungsmethode anwenden. Sichere Methoden haben einen niedrigen Pearl-Index wie etwa die Antibabypille mit einem Index von 0,1 bis 0,9. Je höher der Index, desto größer die Wahrscheinlichkeit, ungeplant schwanger zu werden. Die Minipille bietet einen Pearl-Index von 0,5 bis drei. Bei jungen Frauen, die gar nicht verhüten, liegt der Pearl-Index ungefähr bei 85. Bei vielen Methoden kommt es darauf an, dass sie gewissenhaft und regelmäßig angewendet werden. Manche lassen sich leichter in den persönlichen Alltag integrieren als andere, die teilweise viel Disziplin erfordern. Einige Methoden haben kaum oder gar keine Nebenwirkungen. Hilfreich bei der Wahl der geeigneten Empfängnisverhütungsmethode kann das Gespräch mit Frauenarzt/-ärztin oder einem Therapeuten des Vertrauens sein.

Messung der Basaltemperatur (Temperaturmethode)

Alle natürlichen Verhütungsmethoden bieten den Vorteil, dass Nebenwirkungen vermieden werden. Viele natürliche Methoden basieren auf dem Prinzip, die fruchtbaren Tage zu ermitteln und dann auf Sex zu verzichten oder an diesen Tagen zusätzlich zu verhüten – etwa mit mechanischen oder chemischen Verhütungsmethoden.

Der Monatszyklus beginnt stets am ersten Tag der Monatsblutung und endet mit der nächsten Menstruation; er kann zwischen 23 und 35 Tagen dauern. Der Eisprung, die Ovulation, findet etwa in der Mitte des Zyklus statt, etwa zwölf bis 14 Tage vor der nächsten Menstruation. Das Ei ist bis zu 24 Stunden lang befruchtungsfähig. Spermien können bis zu drei Tage nach dem Geschlechtsverkehr überleben, manchmal auch länger.

Die fruchtbaren Tage kann man beispielsweise mit Hilfe der Temperatur- oder Basaltemperatur-Methode ermitteln; dabei helfen Verhütungs- oder Zykluscomputer. Die kleinen Geräte passen problemlos in die Handtasche. Vor dem Aufstehen misst die Frau mit einem Messfühler im Mund ihre Körpertemperatur; ein akustisches Signal meldet nach einer halben bis zwei Minuten das Ende der Messzeit. Da die Körpertemperatur kurz nach dem Eisprung um etwa ein halbes Grad Celsius ansteigt, bestimmt der Computer anhand der gewonnenen Daten den Zeitpunkt im Zyklus: Ein grünes Licht signalisiert unfruchtbare Tage, ein rotes Licht die fruchtbare Phase. Bei der Basaltemperatur-Methode ist es wichtig, dass die Körpertemperatur immer zur gleichen Zeit gemessen wird. Daher eignet sie sich nicht für Frauen mit einem sehr unregelmäßigem Lebensrhythmus – etwa für Schichtarbeiterinnen oder für Frauen, die Flugreisen in andere Zeitzonen unternehmen. Auch wer wenig schläft, an einer Infektion oder unter psychischem Stress leidet, Schmerzmittel nimmt oder viel Alkohol konsumiert, wählt besser eine andere Methode, da diese Faktoren die Körpertemperatur verändern können. Der Pearl-Index liegt zwischen 0,7 und drei. Für Frauen, die auf gar keinen Fall schwanger werden wollen, gilt die Temperaturmethode deshalb als nicht sicher genug.

Hormon-Messung

Andere Verhütungscomputer ermitteln die Fruchtbarkeit anhand der Hormone im Morgenurin. Zunächst drückt die Frau am ersten Tag ihrer Menstruation auf einen Knopf zu einer Uhrzeit, zu der sie später auch ihren Urin testen kann. Das Zeitfenster für den Test beträgt drei Stunden vor und drei Stunden nach dieser Uhrzeit; Wer zum Beispiel um neun Uhr morgens auf den Knopf gedrückt hat, kann stets zwischen sechs Uhr morgens und zwölf Uhr mittags testen. Man muss die Hormon-Messung nicht täglich machen, sondern nur an bestimmten Tagen, die der Computer beispielsweise mit einem gelben Licht anzeigt. An diesen Tagen wird morgens ein Teststäbchen kurz in den Urin gehalten und in den Computer eingelegt; nach wenigen Minuten meldet der Zykluscomputer anhand der Hormonkonzentration im Urin Beginn und Ende der fruchtbaren Phase. Er berücksichtigt dabei auch die mögliche Lebensdauer der Spermien. Wird diese Methode korrekt angewendet, liegt der Pearl-Index bei sechs, so dass sie nur für Frauen geeignet ist, die einer Schwangerschaft nicht völlig ablehnend gegenüber stehen. Die Methode eignet sich auch für Frauen, die wissen möchten, wann sie fruchtbar sind. In einigen Ausnahmefällen, beispielsweise bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Antibiotika (Tetrazykline), funktioniert die Methode nicht.

Die Billings-Methode und die symptothermale Methode

Frauen, die ihren Schleim untersuchen, können daraus Rückschlüsse auf die aktuelle Fruchtbarkeit ziehen. Der australische Neurologe John Billings entdeckte, dass sich kurz vor dem Eisprung der Schleim am Muttermund verändert. Je näher der Eisprung, desto flüssiger und klarer wird der Zervikalschleim. Wenn er sich zwischen Daumen- und Zeigefingerkuppen zu einem Faden ziehen lässt, handelt es sich um die hochfruchtbare Phase. Der Pearl-Index dieses Verfahrens liegt zwischen fünf und 15. Wird die Billings-Ovulationsmethode allerdings mit der Temperaturmethode kombiniert, steigt die Sicherheit erheblich an: Diese symptothermale Methode, wie die Kombination genannt wird, hat eine Pearl-Index von 0,3 und kann auch bei einem bestehenden Kinderwunsch zur Ermittlung der fruchtbaren Tage angewandt werden.

Coitus interruptus, Knaus-Ogino-Methode und pflanzliche Verhütung

Eine besonders unsichere Methode ist der Coitus interruptus, der vor dem Samenerguss abgebrochene Geschlechtsverkehr. Diese Methode wird seit Jahrtausenden angewandt. Dabei besteht die Gefahr, dass sich der Mann zu spät zurückzieht oder bereits vor dem Samenerguss Spermien austreten. Der Pearl-Index liegt beim Coitus interruptus zwischen vier und 18.

Ebenfalls als unsicher gilt die Kalendermethode, die Knaus-Ogino-Methode, mit einem Pearl-Index zwischen neun und 40, bei der die fruchtbaren Tagen lediglich durch Abzählen der Kalendertage ermittelt werden.

Immer wieder ist die Rede von pflanzlichen Verhütungsmitteln. Die gibt es weltweit bei indigenen Völkern, und auch in Europa nutzten Frauen bis zur Zeit der Hexenverbrennungen pflanzliche Mittel. Sie haben oder hatten die Aufgabe, entweder den Eisprung, die Befruchtung des Eis oder seine Einnistung zu verhindern. Manchen Pflanzen wie einer mexikanische Yamswurzel-Art, Steinsamen oder auch Möhrensamen wird die Fähigkeit zugeschrieben, für die Zeit der Einnahme unfruchtbar zu machen. Wer sich für solche Pflanzen interessiert, wird fündig auf www.pflanzenwerkstatt.at. Allerdings fehlt es an belastbaren Untersuchungen zur Wirksamkeit. Zur Zeit gibt es keine pflanzlichen Verhütungsmittel, die empfohlen werden können.

Kondome für Mann oder Frau sowie andere Barrieremethoden

Die mechanischen Verhütungsmethoden setzen eine Art Barriere ein, die verhindert, dass das männliche Sperma auf die weibliche Eizelle treffen kann. Das einzige Verhütungsmittel, das Männer benutzen können, ist das Kondom, neben zahlreichen umgangssprachlichen Namen auch Präservativ genannt, meist eine Hülle aus Latex, die über den erigierten Penis gestülpt wird. Es gehört zu den beliebtesten Verhütungsmitteln und wird in unterschiedlichen Größen, Farben, feucht oder trocken, mit und ohne Geschmack angeboten. Der Pearl-Index schwankt von zwei bis 12. Das „Kondom für die Frau“, das Femidom, ist eine Art Schlauch aus Polyurethan mit einem geschlossenen Ende. Es wird in die Scheide eingesetzt. Der Pearl-Index liegt bei fünf bis 25. Vorteil: Kondom und Femidom sind die einzigen Verhütungsmittel, die zugleich vor Geschlechtskrankheiten und einer HIV-Infektion schützen können, so dass sie vor allem bei wechselnden Partnern empfohlen werden.

Weitere Mittel, die ebenfalls stets vor dem Sex als Schutz eingeführt werden, sind: das Diaphragma, auch Scheidenpessar genannt, das eine runde Kappe aus Latex oder Silikon mit einem Pearl-Index von eins bis 20 hat, die Portiokappe, die den Gebärmutterhals verschließt, oder auch die Verhütungskappe mit einem Index von sechs oder das Lea contraceptivum, eine Weiterentwicklung des Diaphragmas, mit einem Index von zwei bis 15. Die Sicherheit dieser drei Methoden kann durch die zusätzliche Verwendung einer spermienabtötenden Mittels, eines Spermizids, in Form einer Creme, eines Gels, eines Sprays oder eines Zäpfchens, erhöht werden.

Hormonelle Methoden: Antibabypille und andere Hormongaben

Kaum ein Verhütungsmittel ist so umstritten wie die klassische Antibabypille, die die Hormone Östrogen und Gestagen enthält. Die möglichen Nebenwirkungen können unter anderem Gewichtszunahme sein und Spannungsgefühl in den Brüsten; auch von verringerter Libido und verstärkter Depressionsneigung wird berichtet. In seltenen Fällen kommt es auch zu Bluthochdruck, Thrombosen und Störungen der Leberfunktion. Bei langjähriger Einnahmen steigt das Herzinfarkt- und Thromboserisiko. Mit einem Pearl-Index von 0,1 bis 0,9 gilt die Antibabypille als das sicherste Verhütungsmittel. Inzwischen gibt es zahlreiche Pillen mit unterschiedlicher Dosierung der Hormone. Die Minipille beinhaltet Gestagene oder auch synthetische Gestagene. Die Neue Minipille oder auch östrogenfreie Pille enthält kein Östrogen. Der Pearl-Index schwankt je nach Art der Pille von 0,14 bis drei. Obwohl schon häufig über die „Pille für den Mann“ geschrieben wurde, ist sie bislang noch nicht erfunden worden.

Andere hormonelle Verhütungsmethoden sind das Hormonpflaster mit einem Index von 0,7 bis 0,9 und der Vaginalring mit einem Index von 0,25 bis 1,18. Beide enthalten jeweils Östrogen und Gestagen. Um reine Gestagenpräparate handelt es sich bei Verhütungsstäbchen mit einem Index von 0 bis 0,08. Das Verhütungsstäbchen, Implanon, ist vier Zentimeter lang und zwei Millimeter dünn. Es wird an der Innenseite des Oberarms unter die Haut geschoben. Gestagene liefern zudem die Dreimonatsspritze mit einem Index von 0,3 bis 1,4 und die Hormonspirale mit einem Index von 0,16.

Chemische Verhütungsmethode: Spermizide sowie Kupferkette und -spirale

Spermizide - chemische Verhütungsmittel, die den Samen abtöten, müssen mindestens zehn Minuten vor dem Sex in die Scheide eingeführt werden: Salben, Cremes, Gels, Schaumsprays oder Zäpfchen. Werden sie als einziges Verhütungsmittel angewandt, liegt der Pearl-Index zwischen drei und 21. Meist werden die chemischen Mittel mit einer Barrieremethode kombiniert wie etwa mit Kondom, Pessar oder Portiokappe, so dass die Sicherheit erheblich steigt.

Manche Frauen bevorzugen Methoden, die über längere Zeiträume wirken. Die Intrauterinpessare (IUP) werden in die Gebärmutter eingesetzt. Durch mechanischen Reiz verhindern sie die Einnistung der befruchteten Eizelle. Die Kupferspirale hat einen Pearl-Index von 0,9 bis drei, die Kupferkette GyneFix einen Index von 0,3 bis 0,8.

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