Essen im Einklang mit den fünf Elementen
Essential Foods - DigitalVision
 
Traditionelle Chinesische Ernährungslehre

In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Basis für ein gesundes Leben gute Ernährung. Das weiß auch die westliche Gesundheitslehre. Doch es gibt deutliche Unterschiede. Anders als in der westlichen Medizin geht es in der östlichen Heilkunde nicht darum, Lebensmittel nach Fettgehalt, Vitaminen oder Kohlehydraten einzuteilen. Vielmehr ist es wichtig herauszufinden, was jeder einzelne Mensch wirklich braucht. Die tägliche Nahrung soll eine individuell abgestimmte Energiezufuhr sein, die den Menschen stärkt und seine Lebensenergie erhält.
Heinz Biedermann war ein Morgenmuffel. Er brauchte immer ziemlich lange, bis er so richtig in Fahrt kam. Eines Tages überredete ihn seine Frau das Frühstück zu ändern. Sie war gerade von einem Kuraufenthalt zurück und hatte dort die chinesische Ernährungslehre kennen gelernt. Statt Kaffee und Brötchen gab es jetzt am Morgen warmen Hirsebrei mit Kompott und Tee oder ein Rührei mit Rucola. Große Lust auf dieses neue Frühstück hatte Heinz Biedermann nicht. Doch die Wirkung nach ein paar Tagen war erstaunlich! „Ich mache gerne Sport und früher konnte ich morgens nie joggen gehen, obwohl ich es wollte, aber nach diesem neuen Frühstück habe ich soviel Energie, dass ich fit bin und bald danach los laufen kann!“, erinnert sich der rüstige Rentner. 
Seine Ehefrau ist von der Ernährungslehre nach den fünf Elementen völlig überzeugt. Doris Biedermann kam wegen wiederkehrender Magenbeschwerden in eine Klinik für Traditionelle Chinesische Medizin. Sie klagte darüber, dass sie sich nach jedem Essen voll fühle, und ihr immer war kalt. Diese Zeiten sind vorbei. „Heute fühle ich mich nach jedem Essen wohl“, erklärt sie stolz. Kleine Änderungen auf ihrem täglichen Speiseplan nach den Regeln der chinesischen Lehre konnten Abhilfe schaffen. 

Nahrung – eine wichtige Säule in der TCM

Wer auf Dauer falsch isst, wird krank. Zumindest in diesem Punkt sind sich westliche und östliche Medizin einig. Selbst in der Herangehensweise unterscheiden sich diese beiden Heilweisen nicht immer grundsätzlich. Für die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) sind Lebensmittel auch Heilmittel. Sie werden gezielt eingesetzt, teilweise durch die Zubereitung entsprechend verändert oder mit bestimmten Kräutern ergänzt. Nahrung ist die Grundlage für ein gesundes Leben, aber auch eine Stellschraube, um Ungleichgewichte im Körper wieder ins Lot zu bringen. Alle Lebensmittel werden nach Temperaturverhalten, ihrer Geschmacksrichtung sowie Funktionsweise und Wirkrichtung unterschieden. Jedes Individuum hat andere Bedürfnisse, und auf diese sollte die Nahrung sollte aus Sicht der TCM abgestimmt sein. 
Allgemeine Empfehlungen gibt es in der chinesischen Ernährungslehre auch, doch viel mehr Möglichkeiten für eine typgerechte Ernährung. Das klingt komplizierter als es in Wirklichkeit ist; die Grundlagen sind relativ einfach zu verstehen. Alles dreht sich darum, das Qi – also die Lebensenergie – zu stärken; damit dies ausgewogen geschieht, werden die Nahrungsmittel nach ihrer Stellung im System der fünf Elemente ausgewählt.

Alles dreht sich um Qi

Anker der Gesundheit ist nach der TCM eine „starke Mitte“. Diese äußert sich in einer guten Verdauungskraft oder einem guten „Verdauungsfeuer“, wie die Chinesen es nennen. Wenn das Verdauungsfeuer unterstützt wird, wird auch die Lebensenergie Qi gestärkt. Umgekehrt kann aber falsche Ernährung das Verdauungsfeuer schwächen oder zu sehr anfachen. Das hat zur Folge, dass unser Körper entweder mit zu wenig Energie versorgt wird oder aber mit überschießender Energie. In beiden Fällen entsteht ein Ungleichgewicht, das laut TCM den Ausgangspunkt für Krankheiten bildet.

Der „starken Mitte“, die die Lebensenergie unterstützt, ist das Element Erde zugeordnet. Dementsprechend soll beim Essen vor allem dieses Element besonders gestärkt werden, da es alle anderen Elemente ausgleicht. In einem guten Essen laut TCM kommen gleichwohl auch alle anderen vier Elemente vor.

Auch Lebensmittel haben Charakter

Das seit Jahrhunderten bewährte System der chinesischen fünf Elemente erfasst die unterschiedlichen Qualitäten und Zustände, die allen Dingen in der Natur innewohnen. Diese Elemente sind daher nicht nur als bloßes Sinnbild zu verstehen. Sie haben vielmehr ganz besondere Eigenschaften, die sich gegenseitig ergänzen oder ausgleichen.
Zwischen den fünf Elementen Wasser, Feuer, Metall, Holz und Erde besteht ein ständiger Austausch. Jedem dieser Elemente werden bestimmte Nahrungsmittel zugeordnet. Der Einteilung der Lebensmittel erfolgt zudem in verschiedene, thermische Qualitäten und die fünf Geschmacksgruppen sauer, bitter, süß, scharf und salzig. So hat auch jedes Nahrungsmittel eine ganz bestimmte Wirkung auf den menschlichen Organismus, da es durch die Eigenschaften aus diesen Elementen charakterisiert ist. 

Thermische Einordnung der Lebensmittel

Bei der Auswahl der Nahrungsmittel werden der Gesundheitszustand, die Lebensumstände und Gewohnheiten jedes Einzelnen berücksichtigt. Wichtig ist die thermische Wirkung des Essens. Es sollten im Winter wenig „kühlende“ Lebensmittel und im Sommer nicht zu viele „heiße“ Lebensmittel gegessen werden.
Je dunkler Fleisch ist, desto wärmer ist es laut östlicher Lehre. Hammel- und Lammfleisch gehören laut TCM beispielweise zu den thermisch „heißen“ Lebensmitteln, genauso wie hochprozentiger Alkohol und scharfe Gewürze. Diese sollten eher sparsam gegessen werden oder gezielt bei extremer Kälte eingesetzt werden. Zu den neutralen Lebensmitteln gehören nahezu alle Getreidesorten. Sie stellen die Grundlage der Nahrung dar und von ihnen sollte möglichst viel verzehrt werden.
Erfrischende Lebensmittel sind Dinkel, Weizen, Roggen, Gerste, Reis, Hefe, Sauerteig, Salate, Oliven, Sauerkraut, Spinat, Zucchini, Blumenkohl, Aubergine, Broccoli, Paprika, Sellerie, Spargel, Äpfel, Beerenobst, Geflügel, Speiseöle, Salbei, Estragon, Kresse und Pfefferminze. Diese Lebensmittel sollten eher im Sommer bei Hitze gegessen werden. Zu den kalten Lebensmitteln zählt die östliche Lehre vor allem Tomaten, Gurke, Südfrüchte, Mineralwasser, schwarzer Tee, Grüner Tee und Joghurt. Davon sollte generell wenig gegessen werden, es sei denn zum Kühlen etwa bei Fieber und großer Hitze.

Brennstoff für das Verdauungsfeuer

Das „innere Verdauungsfeuer“ muss richtig „befeuert“ werden. Es ist morgens am stärksten und nimmt im Laufe des Tages ab. Das bedeutet, dass es morgens die reichhaltigste Mahlzeit geben sollte. Dann kann das Verdauungsfeuer die Nahrung optimal verwerten. Diese Empfehlung deckt sich im Übrigen mit einem Spruch aus Großmutters Zeiten: Frühstücken wie ein Kaiser, mittags Essen wie ein König und abends wie ein Bettelmann. Auch die moderne Sitte des Dinner-Cancellings greift diese Idee wieder auf. 
Die chinesische Ernährungslehre ist keine dogmatische Wissenschaft. Es darf experimentiert und auch einfach frei nach Gusto gespeist werden. Sie warnt allerdings vor dauerhafter Fehlernährung. 

Energieräuber

Um die Gesundheit und die Lebensenergie zu optimal erhalten, weist die chinesische Diätetik auf Fehlerquellen hin, die das Verdauungsfeuer negativ beeinflussen und so den Energiehaushalt im Körper stören.
Dazu gehören das ständige zwischendurch Essen und Naschen. Essen außerhalb fester Zeiten raubt viel Energie, weil der Körper stets verdauen muss. Große Mengen an Rohkost und Obst sind ebenso nicht empfehlenswert. Sie kühlen den Körper aus und schwächen damit auch das Verdauungsfeuer. Wer zuerst einen großen Salat isst und danach die Pasta bremst sozusagen den Verdauungsvorgang ab. Anders herum wäre besser. Hier widersprechen sich westliche und östliche Empfehlungen. 
Eiskalte Speisen und Getränke kühlen das Verdauungsfeuer ebenfalls, sie sind jedoch im Sommer meistens kein Problem, vor allem, wenn es sehr heiß ist. Von großen Mengen Sauermilch- und Milchprodukten rät die chinesische Lehre vollkommen ab: Auch sie schwächen die Verdauung und verschleimen den Körper. Hier zeigt sich, dass die Asiaten schon früh die Probleme der Laktose-Intoleranz entdeckt haben. Zuviel Fleisch, Brot oder Süßes ist laut TCM ungesund – genauso wie Mahlzeiten spät abends, hastiges und unregelmäßiges Essen. Vollkorn zwar nahrhaft, aber nicht für jeden Menschen bekömmlich. Auf künstliche Nahrungsbestandteile, Tiefkühlkost und Mikrowelle verzichtet die chinesische Diätetik ganz: Künstliche Zusätze in Lebensmitteln werden in der Traditionell chinesischen Ernährungslehre abgelehnt, da sie zuviel Energie aus dem Verdauungsfeuer verbrauchen. Und frisch zubereitete, saisonale Gerichte sind viel besser als Tiefkühlprodukte oder Mikrowellenkost. 

Neue Speisepläne 

Wer sich nach den Regeln chinesischen Lehre gesund ernähren will, sollte wissen, welcher Gesundheitstyp er laut TCM ist. Menschen, die ständig frieren und nervös sind, brauchen sehr viele wärmende Speisen. Personen, die eher zum Schwitzen neigen, können dagegen mit kühlenden Lebensmitteln gegensteuern. Grundsätzlich sollte die Zusammensetzung der Nahrung stets eine individuelle, ausgewogene Mischung seinbilden und alle fünf Elemente enthalten. Bei Bedarf, beispielsweise z.B. um einer Krankheit gegenzuwirken, kann die Zusammensetzung in eine Richtung verstärkt werden. Um Fieber zu senken, könnten beispielsweise Nahrungsmittel aus der kühlenden Gruppe sinnvoll sein. Es könnte aber auch sein, dass wärmende Speisen angeraten sind, um die Temperatur hoch zu halten und einen Infekt gründlich auszutreiben. Solche therapeutischen Maßnahmen sollten nur in Absprache mit einem heilkundigen Experten erfolgen.

thermische-wirkung

Typgerechtes Essen

Je nach Jahreszeit und Menschentyp können die täglichen Speisen so zusammengestellt werden, dass sie die Befindlichkeit des Menschen optimal unterstützen. Zur groben Orientierung bietet die chinesische Diätetik Empfehlungen für die Zusammenstellung eines Speiseplans an: Demnach sollten Obst, Salat und ungekochtes Gemüse nur in kleinen Mengen verspeist werden, denn alle rohe Lebensmittel brauchen zum Verdauen sehr viel Energie. Süßigkeiten, Nüsse, Fette wie auch Öle sind auch sparsam einzusetzen, genauso wie Fleisch, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte und Sojaprodukte. Einen größeren Anteil dürfen alle Sorten von Reis, Getreidesorten und Nudeln einnehmen.; sie sind bilden mit einem Anteil von zwanzig Prozent eine wichtige Basis des Essens. Den mit vierzig Prozent größten Anteil an den Mahlzeiten sollten Gemüse und Obst in gekochter Form sowie Kartoffeln ausmachen. Die Lebensmittel aus dieser neutralen Gruppe bilden die Grundlage jedes Essens. Entsprechend der Jahreszeit wird variiert, indem im Sommer die kühlenden und kalten Lebensmittel wie frisches Obst und Salat hinzukommen; im Winter sind die warmen und heißen Lebensmittel zu bevorzugen.

Essen als Medizin

In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Ernährungslehre eine der wichtigsten Therapiesäulen. Nahrung wirkt sich auf Körper, Seele und Geist aus, fördert die Lebensenergie Qi und kann Krankheiten nachhaltig beeinflussen. 
Die Ernährungsumstellung hat aber auch noch andere Erfolge, die sie sehr erfreuen. „Ich esse heute mehr als früher und nehme trotzdem ab“,  lacht Doris Biedermann. „Das kann ich wirklich jedem empfehlen!“
Demnächst finden Sie hier Rezepte zum Ausprobieren. Buchempfehlungen des  des TCM-Experten Dr. Josef Hummelsberger zur Ernährung nach der chinesischen Lehre von den fünf Wandlungsphasen finden Sie hier.

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