Endlich ohne Glimmstängel!
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Rauchfrei im neuen Jahr

Rauchfrei im neue Jahr – das ist einer der Spitzenreiter unter den Neujahrsvorsätzen. Wer dem Rauchen entsagen will, braucht einen genauen Ausstiegstermin und Willenskraft. Denn die Nikotinsucht ist eine der stärksten. Wir zeigen Ihnen Mittel und Wege, die beim Aufhören helfen.
Christiane Schweizer hat es geschafft. Vor zehn Jahren. Im Jahr 2000 hörte sie mit Rauchen auf. Von einem Tag auf den anderen. „Ich bin mit Freunden für zwei Wochen in den Urlaub gefahren, an die Nordsee. Weit weg vom Alltag und von Zigarettenautomaten“, erinnert sich die inzwischen 52-jährige Tübingerin an ihren Abschied vom Nikotin. Auf der langen Zugfahrt habe es keine Möglichkeit zum Rauchen gegeben, und danach sei die schlimmste Zeit auch schon überstanden gewesen. „Mein Wille und die andere Umgebung waren ausschlaggebend“, fasst die Redaktionsassistentin ihre erfolgreichen Entwöhnungsstrategien zusammen.

Nicht alle Raucher können so wie Christiane Schweizer die Finger von den Glimmstängeln lassen. Zwar versuchen laut Bundesgesundheits-Survey jährlich rund 35 Prozent der Raucher aufzuhören, und 60 Prozent spielen mit dem Gedanken. Doch die Mehrzahl scheitert. Zu groß ist die Abhängigkeit, zu wenig motivierend die Ausstiegspläne, zu klein das Durchhaltevermögen. Letzteres brauchen Ex-Raucher unbedingt: Wissenschaftler konnten zeigen, dass die neurobiologischen Veränderungen im Gehirn nikotinabhängiger Menschen denen von Konsumenten harter Drogen wie Kokain oder Heroin ähneln. Besonders die Rezeptoren für Dopamin waren in den Gehirnen von Rauchern stark reduziert. Dieser Botenstoff oder Neurotransmitter löst über das „Belohnungszentrum“ im Gehirn ein gutes Gefühl aus. Sind zu wenig dieser Botenstoffe da, verlangt der Körper nach mehr. Die Folge: Raucher benötigen regelmäßig den Stoff, der sie vermeintlich glücklich macht. Und definitiv in die Abhängigkeit führt.

Beim Qualmen Dampf ablassen

In Deutschland raucht jeder dritte Erwachsene zwischen 18 und 79 Jahren. Bei den Männern sind es 37,3 Prozent, bei den Frauen 27,9 Prozent. In den jüngeren Altersgruppen bis 39 Jahre sind es laut Bundesgesundheits-Survey sogar deutlich über 40 Prozent. Klar, Jugendliche finden Rauchen cool, weil sie damit zu den Erwachsenen gehören.

Doch die Motive von Rauchern sind ganz unterschiedlich: Eine Zigarette wird einfach so angesteckt, ohne nachzudenken, aus Gewohnheit. Nach dem Aufstehen bei einer Tasse Kaffee, nach dem Sex oder einem leckeren Essen. Andere rauchen, weil sie finden, dass ihnen in stressigen Situation eine Zigarette gut tut und sie sich in der Rauchpause entspannen oder Dampf ablassen können. Andere Raucher wiederum genießen qualmenderweise den Sonnenuntergang, ein Glas Wein oder in der Kneipe Gespräche mit Freunden. Viele kreative Menschen sind der Meinung, dass ihnen der blauen Dunst die besten Ideen bringt. Und eine junge Frau, die in einem Internetforum Unterstützung auf ihrem Weg zum Clean Werden sucht, hat mit dem Rauchen begonnen, weil sie sich in einen Raucher verliebt hat.

Sportliches Training hilft beim Aufhören

 Für viele Ex-Zigarettenkonsumenten war gerade eine neue Liebe der Grund, dem Laster endlich zu entsagen. Christiane Schweizer hinderte „die Angst und das Wissen, dass Rauchen einfach ungesund ist und beispielsweise Lungenkrebs begünstigt“ am weiteren Genuss ihrer täglich vier bis zehn Zigaretten. Außerdem sei es für sie ein sehr unangenehmes Gefühl gewesen, süchtig zu sein und das Büro oder Partys verlassen zu müssen, um die nächste Nikotindosis zu bekommen. „Das ist einfach unwürdig, seine Handlungen nicht selbst im Griff zu haben und sich ständig mit der Frage 'soll ich oder soll ich nicht rauchen?' herumzuschlagen“, findet die Mutter von drei Töchtern.

Gesundheitliche Probleme wie Kurzatmigkeit, chronischer Husten oder Herzkreislauf-Erkrankungen motivieren viele Raucher, der Sucht ein Ende zu setzen. Weitere Motive: schlechter Körper- und Mundgeruch, verminderter Geruchs- und Geschmackssinn, fahle Haut, stinkende Kleidung und schlechte körperliche Verfassung. Wer plötzlich seinen sportlichen Ergeiz entdeckt und etwa eine längere Strecke laufen oder ein Hobby-Radrennen fahren möchte, für den ist die Ausstiegstür weit geöffnet und die Chance groß, nicht rückfällig zu werden: Studien haben gezeigt, dass selbst kurze intensive Trainingseinheiten das körperliche Verlangen nach einer Zigarette unterdrücken können.

Alte Gewohnheiten und Muster auflösen

Ein erfolgreicher Qualmstopp ist jedoch nicht nur eine Frage des Willens und der Selbstkontrolle. Entscheidend ist, wie dauerhaft erlernte Gewohnheiten gelöscht werden können. Die Psychologin Ingrid Hack ist Spezialistin für das Auflösen alter Programme und Muster. Sie empfiehlt Klienten, die mit Rauchen aufhören wollen, erst einmal das Buch von Jan Geurtz „Aufatmen!“ zu lesen. Begleitend dazu löst sie mit der von ihr entwickelten Imaginationsreise alte Verhaltensmuster auf. Also Situationen und Momente, die immer wieder zwanghaft bestimmte Reaktionen auslösen, die nicht der Vernunft oder dem guten Willen unterworfen sind.

Bei einem ihrer Klienten war es beispielsweise die bereits in seiner frühen Kindheit entstandene Überzeugung „ich kann es nicht“, die ihn damals zum Abbruch eines Tanzkurses veranlasst hatte. Diese Überzeugung bezog sich natürlich auch auf viele andere Situationen, etwa auch darauf, nicht mit dem Rauchen aufhören zu können. Nach der Auflösung dieses Musters fühlte er sich stark und glücklich und hat diese neuen Gefühle auf die Absicht nicht mehr zu rauchen übertragen. Seither ist er rauchfrei, trinkt weniger Alkohol, macht mehr Pausen bei der Arbeit und fühlt sich rundum zufrieden –  ohne Entzugserscheinungen! „Das meiste passiert im Kopf", erklärt die Psychologin, „wer sich entscheidet, wirklich aufzuhören und frei zu sein, und das mit positiven Gefühlen verbinden kann, der hat auch keine Entzugserscheinungen.“ Weil Rauchen eine zwanghafte Sucht ist, hält die 63-jährige Münchenerin nicht viel davon, auf medikamentöse Nikotinersatzpräparate wie Kaugummi, Pflaster oder Lutschtabletten zurückzugreifen. „Durch diesen Ersatz wird erst das Gefühl ausgelöst, dass etwas fehlt. Doch eigentlich ist viel gewonnen.“

Schlusspunkt-Methode oder Pflaster?

Viele Entwöhnungsexperten empfehlen starken Rauchern Nikotinkaumgummi, -pflaster oder -lutschtabletten. Pflaster sorgen für eine kontinuierliche Nikotinkonzentration im Blut und lindern den körperlichen Entzug. Lutschtabletten helfen gegen das akute Bedürfnis nach einer Zigarette, etwa nach dem Essen. Viele Studien belegen, dass sich die Erfolgschance etwa verdoppelt, wenn Nikotinersatzpräparate begleitetend zu einer Verhaltenstherapie eingenommen werden. Dennoch wählen die meisten Raucher lieber die so genannte Schlusspunkt-Methode. Ohne die Hilfe von Entwöhnungsspezialisten oder Ersatzpräparaten. Sie gilt als uneffektivstes Verfahren, bei dem über 90 Prozent der Ausstiegswilligen innerhalb eines Jahres rückfällig werden.

Bei Christiane Schweizer hat sie jedoch problemlos funktioniert und auch bei Andreas Zimmermann (Name geändert). Zumindest ein gutes Jahr lang. Dann hat er wieder mit der Qualmerei angefangen. „Ich habe 14 Kilogramm zugenommen, das war einfach ätzend.“ Doch anstatt seine Essgewohnheiten zu verändern, auf Süßigkeiten und Chips zu verzichten und sich mehr zu bewegen, hat Zimmermann Zigaretten gekauft. „Das war echt blöd, doch jetzt gerade schaffe ich es einfach nicht, wieder aufzuhören. Obwohl es gut wäre. Für mich und meinen Bluthochdruck.“ Was ist mit unterstützenden Maßnahmen wie Akupunktur, Verhaltenstherapie, Hypnose oder Homöopathie? „Darüber habe ich noch nie nachgedacht“, gibt der 50-Jährige zu, „vielleicht wäre das was für mich.“

 Homöopathische Mittel wie beispielsweise Robinia können der Münchener Heilpraktikerin Dr. phil. Dagmar Hemm zufolge die Entzugserscheinungen während der Tabakentwöhnung mildern. „Ansonsten kann man noch Carduus marianus für die Leber und Betula für die Niere dazugeben, um die Entgiftung zu beschleunigen“, erklärt Hemm. Eine homöopathische Behandlung geht auch den persönlichen Motiven und phyischen wie psychischen Mustern auf den Grund, um das individuell passende homöopatische Mittel zu finden, das der körperlichen und geistigen Verfassung am besten entspricht. Auch Bachblüten müssen entsprechend der seelischen Lage vom Heilpraktiker gewählt werden.

Erfolgreich aufhören mit Hypnose

Dass die Rauchentwöhnung mit Hypnotherapie ähnlich effizient ist wie die Kombination von Nikotinersatzpräparaten und Verhaltenstherapie, bestätigte 2006 der Wissenschaftliche Beirat „Psychotherapie“ der Bundesregierung. Die Diplom-Psychologin Dr. Cornelie Schweizer entwickelte das „Tübinger Programm zur hypnotherapeutischen Raucherentwöhnung“. Ihre Studien zeigten, „dass nach einem Jahr über 50 Prozent der mit unserem Programm behandelten Klienten abstinent waren, während Versuche im Alleingang nur bei drei bis elf Prozent zum Erfolg führten“. Fünf Sitzungen umfasst das Tübinger Programm. Etwa eine Woche nach dem Vorgespräch ist die erste Hypnose. Der zweite Termin findet eine Woche danach und eine dritte Sitzung in einem Abstand von nochmals ein bis zwei Wochen statt. Die Sitzungen dauern jeweils 50 Minuten. „Die meisten Raucher hören kurz vor der ersten Hynose auf“, berichtet Schweizer. In den Trance-Sitzungen haben Aufhörwillige aufgrund des besonderen Bewusstseinszustandes einen besseren Zugang zu ihren Gefühlen und eigenen Ressourcen. Längst vergessene Erinnerungen oder Ideen, die bislang noch nicht bewusst waren, helfen völlig neue Lösungen für bislang scheinbar überwältigende Probleme zu finden.

 „Wichtig ist, die positiven Dinge, die bisher mit dem Rauchen verknüpft waren, weiter für sich zu realisieren: Pausen, Belohnungen, Genuss und Erholung braucht jeder. Aber man muss dafür nicht zur Zigarette greifen, sondern kann lernen, diese wichtigen Annehmlichkeiten auf gesündere Art zu genießen“, erklärt Schweizer. In der Hypnose geht es daher um das Entwickeln von Handlungsmöglichkeiten bzw. um die Frage, „Was kann ich anstelle des Rauchens tun?“ Das Rauchen wird also nicht als eklig „vermiest“, sondern ist dann einfach unnötig. Dabei werden in der Trance Situationen, Handlungen und Gefühle (auch Wahrnehmungen wie Gerüche oder Farben) so echt und real erlebt, als wären sie in der Wirklichkeit geschehen. Gehirn-Untersuchungen mit neuen bildgebenden Verfahren zeigen, dass in der Trance andere Hirnareale genutzt werden als im normalen Alltagsbewusstsein. „Menschen haben so die Möglichkeit, nicht nur ihr bewusstes, sondern auch ihr unbewusstes, also ihr gesamtes inneres Wissen zur Lösung ihrer Schwierigkeiten einzusetzen“, verdeutlicht die Rauchentwöhnungs-Expertin.

Die Kunst nicht rückfällig zu werden

Sich typische Situationen und Momente gedanklich vorzustellen, die künftig ohne den obligatorischen Griff zur Zigarette erlebt werden wollen, ist eine erfolgreiche Strategie. Und natürlich sich auch auszumalen, was statt dessen getan wird. Also künftig nicht mehr die Kollegen in die Rauchpause begleiten, sondern später in deren Büro vorbeischauen, um den „Flurfunk“ nicht zu verpassen oder den Kontakt zu verlieren. Hilfreich für den Start ins Nichtraucher-Leben ist auch ein Alkoholverzicht sowie die gewohnte Umgebung für einige Tage zu verlassen. So wie es die Tübingerin Christiane Schweizer gemacht hat. Sollte sie rückfällig werden, könnte sie sich von ihrer Schwester Cornelie, der Rauchentwöhnungs-Spezialistin, unterstützen lassen. Denn nicht das Aufhören ist schwer – nicht rückfällig zu werden ist die Kunst.

Tipps

Ergründen Sie Ihre Motivationen:
  • In welchen Situationen greifen Sie zur Zigarette?
  • Was glauben Sie, dass das Rauchen Ihnen in solchen Momenten gibt? Welche Bedürfnisse verbergen sich noch dahinter?
  • Für welche Handlungen oder Verhaltensweisen dient das Rauchen als Ersatz? Schenken Sie diesen Bedürfnissen und Handlungsimpulsen Aufmerksamkeit und nehmen Sie sie ernst.
  • Überlegen Sie, wie Sie Ihren Bedürfnissen auf andere Weise gerecht werden können, und welche alternativen Verhaltensmöglichkeiten Sie nutzen möchten.
  • Stellen Sie sich typische Situationen, in denen Sie bisher geraucht haben, vor und imaginieren Sie, wie Sie anders damit umgehen.
  • Führen Sie sich vor Augen, was Sie gewinnen, indem Sie aufhören: Sie können z.B. eine Liste mit den für Sie wichtigsten Vorteilen machen und diese immer ansehen, wenn Sie das Verlangen nach einer Zigarette überkommt.
  • Sorgen Sie gut für sich. Seien Sie stolz auf jeden Tag, den sie es geschafft haben, und belohnen Sie sich – auch, indem Sie sich die Vorteile des rauchfreien Lebens immer wieder bewusst machen.

Buchempfehlungen

  • Jan Geurtz: Aufatmen! In nur einem Tag endgültig zum Nichtraucher. München: Nymphenburger Verlag 2002, auch als e-Book: ISBN 3485009245
  • Jochen Kaufmann: Und im Kopf macht's „Klick!“ Wie sie einfach mit dem Rauchen aufhören und ohne Entzugserscheinungen oder Gewichtszunahme zum glücklichen Nichtraucher werden, Norderstedt: BOD (4. Auflage) 2009, ISBN 978-3-837-06748-4 Pick It!
  • Allan Carr: Endlich Nichtraucher! Der einfachste Weg, mit dem Rauchen aufzuhören. München: Goldmann Mosaik TaschenbuchISBN 978-3-442-13664-3 Pick It!
  • Dirk Treusch: Klopfen gegen Rauchen. Einfach aufhören. Energetische Psychologie praktisch. Hg. von Dr. Michael Bohne, Reinbek: rororo Taschenbuch 2008, ISBN 978-3-499-62411-7 Pick It!
  • Cornelie C. Schweizer: Vom blauen Dunst zum frischen Wind. Hypnotherapeutische Raucherentwöhnung in 5 Sitzungen, das Tübinger Programm. Heidelberg: Carl Auer Verlag 2009, ISBN 978-3-89670-676-
  • Ingrid Hack: Davon will ich mich befreien! Alte Muster endlich loswerden. Ab Februar 2011 bei rororo erhältlich.

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