Die Ringelblume
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Die Ringelblume

Die Garten-Ringelblume (Calendula officinalis) ist eine traditionsreiche, offizinelle (d.h. in das amtliche Arzneimittelbuch aufgenommene) Heilpflanze. 2009 wurde sie zur Heilpflanze des Jahres gekürt. Neben der Garten-Ringelblume ist auch die seltene Acker-Ringelblume (Calendula arvensis) für Arzneizwecke zugelassen, die auf mageren Böden in warmen Lagen wächst. 

Die ursprüngliche Heimat der Ringelblume liegt wohl im Mittelmeerraum. Doch bereits im 12. Jahrhundert wurde sie nach Mitteleuropa eingeführt und hat seitdem ihren festen Platz in unseren Gärten, die sie Monate lang durch ihre strahlend gelb-orangen Blütensonnen ziert.  

Ringelblumen werden gut 50 Zentimeter hoch. Blätter und Stängel sind filzig behaart. Die wechselständigen Blätter sitzen ungestielt am Stängel, der sich im oberen Bereich verzweigt und an jedem Ende eine Blüte hervorbringt. Die gelb bis orangenen Blütenköpfe bestehen aus inneren Röhren- und äußeren Zungenblüten. Ringelblumen variieren in der Blütenform: Es gibt einfache, halb- und ganz gefüllte Formen. 

Die zur Familie der Korbblütler gehörigen Ringelblumen sind einjährig, vermehren sich aber freudig jedes Jahr durch Selbstaussaat. Die ringförmig gewundenen Samen gaben der Pflanze ihren deutschen Namen. Die Ringelblume gedeiht in jedem guten Gartenboden und fördert das Wachstum vieler Gemüsesorten. Als Gartenflüchtling kommt sie manchmal auch verwildert vor. 

Heilkräftige Pflanzenteile und ihre Wirkstoffe

Verwendung finden die äußeren Blütenblätter, die Blütenköpfe sowie das blühende Kraut. Die Zungenblüten weisen den höchsten Gehalt der wertvollen Inhaltsstoffe auf. Beim Anbau für medizinische Zwecke werden deshalb gefüllte Sorten bevorzugt. 
Ringelblumenblüten sind reich an heilenden Inhaltsstoffen: Der bekannteste Wirkstoff ist das entzündungshemmende Calendula-Sapogenin. Ätherische Öle, Triterpene und Flavonoide sind für die antimikrobielle und wundheilende Wirkung verantwortlich. Weiter finden sich Carotinoide und Xantophylle, die die Immunabwehr des Körpers stärken, sowie Sterole und Cumarine. Das Kraut enthält zudem Phytosterol und Bitterstoffe. 

Heilwirkung

Das Wundkraut Calendula wird überwiegend äußerlich und häufig in Salbenform bei Hautproblemen aller Art angewendet. Seine antiseptischen und heilenden Eigenschaften verhindern die Ausbreitung von Infektionen und beschleunigen die Wundheilung. Einsatzgebiete sind daher Hautverletzungen, 
-entzündungen und –ausschläge, Akne und Ekzeme. Die entzündungshemmenden, antibakteriellen und pilzabtötenden Extrakte der Ringelblume vermögen sogar schlecht heilende, eiternde Wunden, Dekubitus (Wundliegen) und offene Beine zu heilen. Entscheidend wirkt hier die Förderung der Hautdurchblutung und der Gewebeneubildung. Auch bei Krampfadern und Venenentzündungen hilft die Ringelblume. Kleinere Verbrennungen und Sonnenbrand werden mit kühlendem Calendulagel behandelt. Bei Mund- und Zahnfleischentzündungen werden Pinselungen und Spülungen mit Ringelblumentinktur oder –tee eingesetzt.
Ringelblumenextrakte finden auch in der Kosmetik Anwendung. Durch verstärkte Zellneubildung und bessere Durchblutung heilt rissige Haut, gereizte oder entzündete Haut wird entspannt und beruhigt.
Auch in der Homöopathie wird Calendula zur Wundheilung angewendet, zum Beispiel als Urtinktur D4 oder in Form von Globoli. Das „homöopathische Jod“ wirkt auch als Salbe, Creme oder Gel. Des weiteren wird die Pflanze zur Immunsteigerung bei ständiger Erkältungsneigung eingesetzt. 
Wegen ihres hohen Ansehens wurde die Ringelblume in der Volksheilkunde selbst bei bösartigen Geschwüren und Hautkrebs eingesetzt. Heute dient sie hier eher als pflanzliches Begleitmittel und zur Nachsorge – die Blüteninhaltsstoffe erwiesen sich in Untersuchungen als wachstumshemmend auf Tumorzellen. Ringelblumenpräparate, beispielsweise bei  Brustkrebs eingesetzt, schützen die Haut während der Bestrahlungstherapie vor Entzündungen – ohne Nebenwirkungen. 
Traditionell werden Ringelblumenblüten als Tee auch innerlich angewendet, zum Beispiel bei Magen-Darm-Störungen und Magengeschwüren, Gallebeschwerden, Leberschwäche und Menstruationsproblemen – hier sollen Krämpfe beseitigt und der weibliche Zyklus reguliert werden. Nachgewiesen wurden krampflösende, blutfettsenkende, gallenflussanregende und abwehrsteigernde Eigenschaften. 

Sonne und Mond, Wetter, Liebe und Farbe

Die weithin leuchtenden Korbblüten der Ringelblume zeigen die Zugehörigkeit zur Sonne an; ihr sonnenhaftes Wesen schließt nahezu alle Wunden. Bei Regen hingegen schließen sich die Blüten -  ein Hinweis auf eine mondhafte Signatur, denn der Mond regiert über die irdischen Flüssigkeiten. 
Weil sich ihre Blüten bei nahendem Schlechtwetter und hoher Luftfeuchte schließen, gilt die Ringelblume seit ehedem als Wetterprophet und Regenanzeiger. Und als Symbol für die Unvergänglichkeit, weil sie den ganzen Sommer über blüht und mit ihren keimfreudigen Samen selbst für ihre Langlebigkeit sorgt.
Mit ihren großen Blütenblättern eignet sich die Ringelblume wie manche andere Korbblütler gut für das Spiel: „Er liebt mich, er liebt mich nicht...“. Seit alters her gilt Calendula als Liebesorakel. Die Samen in die Fußspuren des Geliebten gestreut sollen ihn wieder zurückbringen; die vor dem Schlafengehen aufgebrachte Salbe, gemischt mit Essig und Honig, zeigt im Traum die große Liebe – so der Aberglaube. Und die Calendula-Wurzel am Leib getragen, sollte einst den Erfolg bei Damen sichern. 
Früher wurden Ringelblumen auch als Färbemittel genutzt – nicht nur für Haare, auch für Butter, Fisch und Reis. Die gelbe Färbung gab ihr den Namen „Arme-Leute-Safran“. Auf die Streckung des teuren Safran mit Ringelblumen standen aber härteste Strafen. 

Sammeln und Zubereiten

Gesammelt werden die Blüten, in der Volksheilkunde auch die Blätter, von Juni bis August. Und zwar bei dauerhaftem Sonnenschein, denn dann ist der Wirkstoffgehalt am höchsten! Die Blüten werden erst im Schatten vorgetrocknet, dann werden die langen Randblüten, die offizinellen Flores calendulae, abgezupft. Anschließend rasch nachtrocknen, ohne künstliche Wärme zuzuführen. 
Verwendet werden Ringelblumen als Tee, Salbe, Gel, Öl oder Tinktur, meist als Fertigprodukte. Manche Präparate kann man auch leicht selbst herstellen.

Guter Rat - Hausmittel mit Ringelblume
 
Hochdosierte Ringelblumenpräparate sollte man nicht dauerhaft und keinesfalls bei einer Überempfindlichkeit gegenüber Korbblütlern anwenden!

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