Das Ende des Jahres gibt Anlass für eine Rückschau: Was war gut, was schlecht? Verläuft mein Leben so, wie ich es will? Doch Zeit für dieses Innehalten bleibt kaum. Im Konsumrausch des Weihnachtsrummels geht so unbemerkt das Wichtigste verloren: die Erkenntnis, dass man wahres Glück nicht kaufen kann.
Nach dem verregneten November erscheint uns der Dezember wie ein wärmendes Licht. Adventszeit mit Kerzenschein, Zimtduft und Glühwein, Weihnachtsfeier und Christkindlmarkt. Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Und tatsächlich sieht die Realität oft anders aus. Denn um das Fest der Liebe in Frieden feiern zu können, müssen die meisten von uns einen wahren Marathon an Arbeit und Stress absolvieren. Die Organisation rund um den 24.12. mit Geschenken, Gänsebraten und Gästen, aber auch der Jahresendspurt im Job verlangen uns noch einmal alles ab.
Und alle Jahre wieder taucht am Horizont das große Fragezeichen auf: Warum das alles? Geht es nicht auch eine Nummer kleiner? Wozu überhaupt die vielen Geschenke? Gerade Frauen mit Familie jonglieren im Vorfeld des Festtagstrubels nicht selten mit einer Vielzahl von Erwartungen von Kindern, (Schwieger-) Eltern und anderen Lieben, die sie alle erfüllen möchten, und unterwerfen sich dabei dem Leistungsdruck einer Bilanzpräsentation, um Fürsorge, Familiensinn und Liebe unter Beweis zu stellen.
Und alle Jahre wieder taucht am Horizont das große Fragezeichen auf: Warum das alles? Geht es nicht auch eine Nummer kleiner? Wozu überhaupt die vielen Geschenke? Gerade Frauen mit Familie jonglieren im Vorfeld des Festtagstrubels nicht selten mit einer Vielzahl von Erwartungen von Kindern, (Schwieger-) Eltern und anderen Lieben, die sie alle erfüllen möchten, und unterwerfen sich dabei dem Leistungsdruck einer Bilanzpräsentation, um Fürsorge, Familiensinn und Liebe unter Beweis zu stellen.
Bitte aussteigen!
Es gibt wenige, die einen Ausstieg aus diesem Szenario wagen: Paare, die sich nichts schenken, den Heiligabend in einer Berghütte ohne Strom und Wasser feiern, und Familien, die ihre wertvolle Zeit lieber ins Zusammensein stecken statt in stressige Shopping-Aktionen. Sie erfahren, wie beglückend es sein kann, einfach auszusteigen aus diesem Eilzug der Konsumgesellschaft und wie befremdlich das Treiben der anderen von außen anmutet.
Und tatsächlich braucht es nicht viel, um glücklich zu sein. Doch tief in uns steckt eben dieses Bild von einem gelungenen, perfekten Fest als einer furiosen Feier, einem fulminanten Höhepunkt des Jahres, für den wir keine Mühen scheuen, bei dem wir uns profilieren wollen, unsere Liebe und Wertschätzung darbringen wollen und das nur allzu oft an der Höhe der investierten Geldbeträge messen. Jeder will den anderen übertrumpfen oder wenigstens mithalten können. Ein Wettbewerb mehr auf dem Markt der Eitelkeiten, dem wir uns wie selbstverständlich stellen. Angeheizt von einem unbeschreiblichen Werberummel glauben wir, uns diesem Druck nicht entziehen zu können. Dabei wäre es durchaus möglich, sich zu besinnen, die Notbremse zu ziehen und einen Schritt zur Seite zu treten. Man muss es nur wollen.
Problem Perfektion
Doch sich bewusst für ein Weniger zu entscheiden, im Angesicht voller Regale den Haben-Reflex zu reduzieren und sich auf die wesentlichen Bedürfnisse zu konzentrieren, die immer komplexeren Abläufe in Job und Familie zu vereinfachen, um mehr Zeit für sich und seine Nächsten herauszuschinden, ist nicht eben leicht. Das kann Marika B. nur bestätigen. Die Angestellte im öffentlichen Dienst und Mutter zweier Kinder hatte jahrelang versucht, „alles richtig zu machen“. Und so stand sie in der Adventszeit abends hundemüde in der Küche und buk Plätzchen, statt sich auszuruhen. Sie setzte im Yoga-Kurs aus, um dafür stundenlang die Stadt nach den originellsten Geschenken zu durchforsten. Und auch ihren geliebten Chorabend opferte sie, um von Bauernhof zu Bauernhof zu fahren und Wagenladungen voller Bio-Food heranzuschleppen. „Irgendwann, mitten in diesem Chaos bekam ich einen heftigen Heulkrampf“, erzählt sie. „Ich konnte einfach nicht mehr, war restlos überfordert.“
Das war vor zwei Jahren. Seitdem hat sie einiges in ihrem Leben verändert. „Mein Mann war sofort einverstanden damit, dass wir das nächste Weihnachtsfest gemeinsam vorbereiten. Die Einkäufe erledigt er, die Kinder backen die Plätzchen, jeder bekommt nur ein Geschenk und am ersten Weihnachtsfeiertag gehen wir auswärts essen“, berichtet Marika B. „Anfangs fiel es mir sehr schwer, meine hohen Ansprüche an mich selbst loszulassen. Doch als ich merkte, wie entspannt ich das Fest erlebte, konnte ich es zum ersten Mal seit meiner Kindheit richtig genießen.“
Abkehr vom Materiellen
Die Sehnsucht nach einem einfachen, bescheidenen Leben, ist nicht neu. Es gab sie schon in den 70er Jahren, als man sich vom satten Bürgerdasein der Wirtschaftswunderjahre bewusst abzuwenden suchte. Doch auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten verlässt sie uns nie ganz. Vor allem Weihnachten und Jahreswende sind Anlass, den Sinn des eigenen Tuns und die Jagd nach Materiellem zu hinterfragen. Statt immer mehr Dinge anzuhäufen und sich die Anerkennung der anderen im Hamsterrad zu verdienen, wenden sich manche, meist Bessergestellte heute wieder den elementaren Überlebensstrategien zu und reduzieren ihre Umgebung aufs Notwendigste. Tisch, Stuhl, Bett – was braucht man mehr?
An berühmten Vorbildern mangelt es nicht. So hielt schon der griechische Denker Diogenes von Sinope nichts von Besitzstand und Wunscherfüllung. Denn wer nichts besitze und keine Bedürfnisse habe, dem könne auch nichts genommen werden, so seine Philosophie. Dieser Zustand schien ihm das höchste Glück. Während er in einem Fass lebte, spottete er über seine Zeitgenossen als „Sklaven ihrer Gier“. Filmstar und Frauenliebling Richard Gere sucht seit den 90-er Jahren im Buddhismus nach dem Sinn des Lebens, und unlängst machte der Millionär Karl Rabeder aus Österreich von sich reden, als er sein gesamtes Vermögen verschenkte. „Ich habe immer mehr Angst verspürt, je mehr ich gehabt habe: Angst, etwas zu verlieren“, wird er zitiert.
An berühmten Vorbildern mangelt es nicht. So hielt schon der griechische Denker Diogenes von Sinope nichts von Besitzstand und Wunscherfüllung. Denn wer nichts besitze und keine Bedürfnisse habe, dem könne auch nichts genommen werden, so seine Philosophie. Dieser Zustand schien ihm das höchste Glück. Während er in einem Fass lebte, spottete er über seine Zeitgenossen als „Sklaven ihrer Gier“. Filmstar und Frauenliebling Richard Gere sucht seit den 90-er Jahren im Buddhismus nach dem Sinn des Lebens, und unlängst machte der Millionär Karl Rabeder aus Österreich von sich reden, als er sein gesamtes Vermögen verschenkte. „Ich habe immer mehr Angst verspürt, je mehr ich gehabt habe: Angst, etwas zu verlieren“, wird er zitiert.
Die Quelle der Bescheidenheit
Erst kürzlich berichtete Meike Winnemuth, Redakteurin der „Süddeutschen“, im Magazin dieser Tageszeitung über einen interessanten Selbstversuch. Nicht nur zu Weihnachten, nein, ein ganzes Jahr lang hat sie nur ein Kleid getragen. Sie ließ sich drei Mal das gleiche Modell der Farbe Blau schneidern, und lebte 365 Tage von morgens bis abends darin. Sie hat damit gearbeitet und gekocht. Sie ist damit umgezogen und sogar auf Safari gegangen. Ihr Fazit nach der Klamotten-Diät: Sie habe sich weder besser noch schlechter gefühlt,sondern gemerkt, wie wenig sich die anderen um ihre Kleidung geschert haben, aber vor allem, dass man tatsächlich mit einer Tasche Handgepäck eine Woche Urlaub machen kann. Neben dem sportlichen Aspekt, ob sie dieses Jahr auch durchhalten würde, trieb sie die Frage um: Was brauche ich im Leben wirklich, kann ich mich bescheiden?
Doch wie wenig ist genug? Machen mich Askese und Verzicht tatsächlich glücklicher? Schließlich leben wir nicht im luftleeren Raum, wir haben eine soziale Rolle zu erfüllen, wollen dazugehören. Glücksforscher sind sich einig, dass Dinge wie Anerkennung und Liebe, Gemeinschaft und Arbeit Menschen zufriedener mit ihrem Leben machen. Weniger der Wohlstand an sich oder die Erfüllung materieller Wünsche.
Die Chemie des Glücks
Doch Glück ist nicht nur Ansichtssache allein. Neurobiologen haben längst einen Cocktail an Botenstoffen ausgemacht, die in uns positive Gefühle erzeugen. Dinge, die diese Botenstoffe ausschütten helfen, tragen so auch zu unserem Glück bei. So sorgt das Neuropeptid Oxytocin für mehr Einfühlungsvermögen, partnerschaftliches Vertrauen, Kooperationsbereitschaft, Sinn für Fairness und Mutterliebe. Es wird zum Beispiel beim Sex und beim Stillen produziert. Sonne und Licht regen die Bildung von Serotonin an, das unsere Stimmung verbessert und uns insgesamt zufriedener macht. Ohne Dopamin wiederum würde uns die Lust, das Wollen und Suchen vergehen, könnten wir weder lernen, erinnern noch hoffen. Es wird im Gehirn ausgeschüttet, wenn wir bestätigt und belohnt werden. Aus Dopamin entsteht schließlich das Noradrenalin. Es ist der Motor, der uns antreibt, für unser Glück zu kämpfen. Der Botenstoff liefert die Motivation dazu. Hier gilt: Je mehr wir von diesen Botenstoffen in unserem Blut haben, desto größere Chancen haben wir, Glück zu empfinden.
Wohlgefühl statt Wohlstand
Vielleicht liegt hier die Ursache, warum die glücklichsten Menschen nicht in den reichen Ländern Europas oder Nordamerikas, sondern in den armen der dritten Welt zu Hause sind. Denn während die Menschen der wohlhabenden Staaten Kapital und Besitz anhäufen, steigt die Zahl der Singles, der Scheidungen und der Depressionen seit Jahren steil an. Die Gesellschaft überaltert. Nachwuchs bleibt aus. Die Familie als soziale Beziehungsschmiede, Rückzugsort und Quell der Freude zerfällt. Gemeinschaft und Solidarität zu erleben, wird immer schwieriger, denn auch im Job sind sich die Kollegen mitunter spinnefeind. Das gute Geld, das man dafür verdient, ist leider kein Trost. Denn ab einem Pro-Kopf-Einkommen von mehr 13.900 Euro im Jahr habe das Gehalt keinen Einfluss mehr auf das Glücksempfinden, weiß der Glücksforscher und Psychiater Mathias Berger vom Uniklinikum Freiburg.
Nur in sehr armen Ländern zähle der Einkommenszuwachs noch zu entscheidenden Überlebens- und Glücksfaktoren. Laut einer Untersuchung der New Economics Foundation gehören die Menschen der G8-Staaten sogar zu den traurigsten der Welt. Der Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski prognostiziert, dass Gesundheit, Familie und Freunde immer wichtiger werden als viel Eigentum. Denn sie seien beständigere Werte als die flüchtigen Glücksgefühle eines Kaufrausch oder die Macht, die durch Geld, Besitz und Stellung entsteht.
Feng Shui befruchtet
Die Kunst, sich zu bescheiden, klare, einfache Strukturen der Behaglichkeit zu schaffen und die Wohnung eben nicht mit den tausend Dingen zu überfüllen, die uns schon ein ganzes Leben lang begleiten, hat einen Namen: Feng Shui. Ziel der 3.500 Jahre alten fernöstlichen Wissenschaft ist es, Harmonie zwischen Mensch und Umgebung herzustellen. Sie ist die Schule der Auswahl und der Gestaltung des Umfelds.
Nach Feng Shui sollten in jedem Raum die fünf Grundelemente Feuer, Erde, Metall, Wasser und Holz in irgendeiner Form vertreten sein. Sie begegnen uns in Formen, Farben, Geschmack, Nahrungsmitteln, Eigenschaften oder Materialien. Befinden sie sich im Gleichgewicht miteinander und mit uns, werden wir mit Gesundheit, Wohlbefinden, beruflichen Erfolg beschenkt, erfahren persönliches Glück und spirituelles Wachstum. Sperriges, Kanten und Ecken dagegen behindern den Energiefluss und führen zu Disharmonien. Entrümpeln schafft nicht nur Ordnung in der Wohnung, sondern auch im Kopf.
Eine andere, einfachere Schützenhilfe ohne den theoretischen Überbau der asiatischen Tradition ist das System von „Simplify your Life“. Auch hier geht es ums Vereinfachen und Reduzieren. In Büchern, Newslettern oder durch persönliche Berater erfährt man, wie man sein Umfeld vom Ballast und sich selbst vom Stress befreien kann. Wer es je einmal versucht hat, weiß, wie gut sich dieses Weniger anfühlt.
10 Schritte zum Entrümpeln nach Feng Shui*
- Säubern Sie alle Tür- und Fenstergriffe mit einem feuchten Lappen
- Putzen Sie die Fenster
- Räumen Sie den Nachtisch leer
- Wischen Sie die Bücherregale feucht aus
- Sorgen Sie auf dem Wohnzimmertisch für Klarheit
- Befreien Sie Ihr Schmuckkästchen von nutzlosem Tand
- Trennen Sie sich von alten Tiegeln und Töpfen im Badezimmer
- Räumen Sie unordentliche Ecken auf
- Entstauben Sie Schränke auch von innen
- Befreien Sie Pinnwand und Kühlschranktüren von alten Zetteln und Magneten
Sie müssen nicht alles auf einmal angehen. Schon fünf Minuten jeden Tag bringen Sie Ihrem Ziel näher.
* Aus www.everyday-feng-shui.de
Buchtipp
Karen Kingston: Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags: Richtig ausmisten. Gerümpelfrei bleiben, Reinbek (rororo Sachbuch 62584) 2009,978-3-499-62584-8, 9,95 Euro
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